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Wie wird die periphere arterielle Verschlusskrankheit behandelt?

Grundsätzliche Ziele der Behandlung bei der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (PAVK) sind, den auftretenden Schmerz zu verringern, die mögliche Gehstrecke zu verlängern und – vor allem in einem fortgeschrittenen Krankheitsstadium – die betroffene Extremität zu erhalten. Je nach Stadium der Erkrankung besteht die Behandlung aus unterschiedlichen Maßnahmen.

Bereits in einem sehr frühen Erkrankungsstadium sollte versucht werden, mögliche bestehende Risikofaktoren auszuschalten, um ein Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen beziehungsweise zu verhindern. Eine der wichtigsten Maßnahmen ist es, mit dem Rauchen aufzuhören, da Nikotinkonsum das Risiko für eine periphere arterielle Verschlusskrankheit entscheidend erhöhen kann. Grundsätzlich sollte auf einen gesünderen, aktiven Lebensstil geachtet werden. Hierzu gehört eine ausgeglichene, fettarme Ernährung, die reich an Vitaminen und Nährstoffen ist. Ein vorhandenes Übergewicht sollte reduziert werden. Wichtig ist auch die Einstellung von Blutzucker, Blutdruck und Blutfettwerten auf Normalwerte.

Sollte die Gehstrecke aufgrund von Schmerzen bereits eingeschränkt sein, kann sie meist durch ein gezieltes Gehtraining schrittweise verlängert werden. Empfohlen wird ein tägliches Training über die Dauer von einer Stunde mit 5- bis 15-minütigen Gehintervallen. Hierbei sollte man jeweils so lange laufen, bis Schmerzen auftreten. Haben diese nach einer Pause nachgelassen, sollte man wieder weiterlaufen. In vielen physiotherapeutischen Einrichtungen wird ein so genanntes Gefäßtraining angeboten, in denen das Training unter professioneller Betreuung durchgeführt werden kann.

Um die Symptome einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit zu verbessern und ein Fortschreiten der Erkrankung zu verhindern, wird zunächst eine Behandlung mit Medikamenten durchgeführt. Dabei werden meistens so genannten Prostaglandine eingesetzt. Diese Arzneimittel erweitern die Blutgefäße und verbessern so die Fließeigenschaften des Blutes. Gleichzeitig reduzieren sie den Fettgehalt in den Blutgefäßwänden. Früher oft verwendete blutverdünnende Wirkstoffe wie Acetylsalicylsäure werden meist nur noch in der Sekundärprävention gegeben.

Wunden, die aufgrund von bereits abgestorbenem Gewebe entstanden sind, sollten lokal mit entsprechenden Medikamenten und Verbänden behandelt werden. Bei örtlichen Infektionen mit Bakterien können Antibiotika gegeben werden, um die Erreger abzutöten.

Abbildung 1: Schematische Darstellung der Stenteinlage

Abbildung 1: Schematische Darstellung der Stenteinlage

Sollten Medikamente keine ausreichende Wirkung zeigen, können Gefäßverengungen im Rahmen einer so genannten Angioplastie mithilfe eines Ballonkatheters aufgedehnt werden (Ballondilatation). Bei diesem Katheter handelt es sich um einen dünnen Schlauch, der unter örtlicher Betäubung über eine Punktion unter Röntgenkontrolle in eine Arterie bis zur Verengung eingeführt wird. An seiner Spitze befindet sich ein kleiner Ballon, der an Ort und Stelle aufgeblasen wird und auf diese Weise die Arterie aufdehnt. Dieser Vorgang wird als Revaskularisierung bezeichnet. Bei Bedarf kann zusätzlich an der aufgedehnten Stelle ein Stent, das heißt ein kleines Metallgitter-Röhrchen, eingelegt werden, der die Engstelle offen hält (siehe Abbildung 1).

Die Angioplastie ist ein minimalinvasives Verfahren, um das Blut wieder auf seinem natürlichen Weg fließen zu lassen und die betroffene Extremität wieder ausreichend mit Nährstoffen zu versorgen. Sie dauert etwa eine bis zwei Stunden und kann meistens ambulant durchgeführt werden. Vorteil dieser Methode ist, dass sie risikoarm ist. Allerdings kann es beim Einführen des Katheters zu Verletzungen der Gefäßwand kommen, die zu einer Blutung führen kann. Diese äußert sich als blauer Fleck an der Punktionsstelle, der nach einigen Tagen aber wieder verschwindet.

Abbildung 2: Überbrückung der Gefäßverengung

Abbildung 2: Überbrückung der Gefäßverengung

Erst wenn Medikamente keinen Erfolg zeigen und eine Angioplastie nicht möglich ist, wird eine Bypassoperation durchgeführt. Bei dieser wird im Rahmen einer Operation ein neues Gefäß eingesetzt und auf diese Weise die Engstelle in der Arterie überbrückt (siehe Abbildung 2). Das neue Gefäß sollte im besten Falle aus einer körpereigenen Vene bestehen. Alternativ können biologische Gefäßprothesen eingesetzt werden. Gefäßprothesen aus Kunststoff zeigen schlechtere Langzeitergebnisse und werden daher nur in Ausnahmefällen verwendet.

Nach der Operation wird die betroffene Extremität über das neue Gefäß mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Um einen Verschluss des Bypasses zu verhindern, ist die regelmäßige Einnahme blutverdünnender Medikamente notwendig. Generell haben Venenbypässe eine bessere Prognose als Kunststoffbypässe.

Abbildung 3: Ausschälplastik (TEA)

Abbildung 3: Ausschälplastik (TEA)

Neben der Bypassoperation kann bei einer Verengung der Leistenschlagader ein weiteres Operationsverfahren angewandt werden – die Thrombendarteriektomie (TEA), die auch als Ausschälplastik bezeichnet wird. Bei diesem Eingriff wird unter Narkose zunächst das verengte Blutgefäß freigelegt. Dann werden an der Engstelle Ablagerungen und gegebenenfalls auch Teile der erkrankten Gefäßwand entfernt, um die Verengung beziehungsweise den Verschluss des Gefäßes zu beseitigen (siehe Abbildung 3).

Je nach Größe der ausgeschnittenen Stelle kann das Gefäß anschließend wieder direkt vernäht oder mit einem Gefäßflicken (Patch) zusätzlich erweitert werden. Dieser Patch kann aus einer körpereigenen Vene hergestellt werden. Es können aber auch biologische oder Kunststoff-Patches verwendet werden, wobei Kunststoff-Patches ein höheres Infektionsrisiko haben.

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