Patientinneninformationen

Brustsprechstunde

In der Brustsprechstunde bekommen Patientinnen schnellstmöglich einen Termin zur diagnostischen Abklärung (hochauflösende Sonografie der Brust, Mammografie, Diagnosesicherung durch ultraschallgesteuerte Stanzbiopsie). Wir nehmen uns in dieser Sprechstunde viel Zeit für Sie, um vorhandene Befunde ausführlich mit Ihnen zu besprechen und falls notwendig weitere Schritte genau zu planen. Sie können sich mit jeder Fragestellung gern an uns wenden.

Unsere ambulante Betreuung umfasst ebenfalls die Vor- und Nachbetreuung im Zusammenhang mit Brustoperationen sowie Beratungen bei familiärer Brustkrebsbelastung. Bei familiär vorbelasteten Frauen informieren wir Sie gern über die Möglichkeiten der genetischen Testung.

Während der gesamten Therapie ist es uns wichtig, dass wir im engen Austausch mit Ihren und Ihrer Frauenarztpraxis stehen. Nach Abschluss Ihrer Therapie besprechen wir gemeinsam mit Ihnen und Ihren betreuenden Frauenärzt*innen die Nachsorge.

Brustkrebsmonat Oktober | Teil 1: Früherkennung

Brustkrebsmonat Oktober: Teil 2 | Gemeinsam gegen Brustkrebs

Die diagnostischen Verfahren im Überblick

Die Mammografie ist eine Röntgenuntersuchung der Brust. Auffällige Befunde wie ertastete Knoten, Hautveränderungen an der Brust oder Absonderungen aus der Brustwarze können damit abgeklärt werden. Die Untersuchung wird auch bei gesunden Frauen als Früherkennungs-Untersuchung im Rahmen des Mammografie-Screenings genutzt. Wenn Sie zwischen 50 bis 69 Jahre alt sind, empfehlen wir Ihnen, alle zwei Jahre am Mammografie-Screening teilzunehmen. Eine Mammografie erbringt jedoch nicht immer ein völlig sicheres Ergebnis - dies hängt etwa von der Dichte des Brustgewebes und weiteren Faktoren ab.

Zusätzlich zu einer Mammografie sollte zur Abklärung von Befunden immer auch eine hochauflösende Sonografie der Brust erfolgen. Mit dieser Untersuchung lassen sich Gewebestrukturen mithilfe von Ultraschall abbilden. Die Sonografie ergänzt in der Diagnostik häufig die Tastuntersuchung und die Mammografie, insbesondere bei unklaren Befunden.

Zur histologischen Untersuchung von Brustveränderungen ist häufig die Durchführung einer Stanzbiopsie erforderlich. In örtlicher Betäubung wird mit einer Hohlnadel eine Gewebeprobe entnommen. Anhand der Probe wird festgestellt, ob eine gutartige Veränderung, eine Krebsvorstufe oder Krebs vorliegt. Das Verfahren ist minimalinvasiv und hinterlässt fast nie eine Narbe. Nur selten müssen aufwändigere Biopsie-Verfahren wie eine Vakuumbiopsie oder eine operative Biopsie angewendet werden.

Bei speziellen Fragestellungen können weitere Untersuchungsmethoden zum Einsatz kommen. Dazu zählt die Kernspintomografie, auch Magnetresonanztomografie (MRT) genannt, die bei einem bereits bekannten Tumor oder bei jungen, erblich vorbelasteten Frauen eingesetzt wird. Eine weitere Methode ist die Skelettszintigrafie.

Bei Bedarf führen wir eine Umfelddiagnostik der umliegenden Organe durch: Diese kann zum Beispiel eine Computertomografie der Lunge oder des Bauchraumes umfassen.

Bei schätzungsweise jeder zehnten Frau, die an Brust- oder Eierstockkrebs erkrankt, beruht die Erkrankung auf angeborenen Veränderungen bestimmter Gene.
Sollte Brust- und / oder Eierstockkrebs in Ihrer Familie gehäuft vorkommt, empfehlen wir Ihnen eine genetische Beratung – auch um sich bei Bedarf beraten zu lassen, ob eine genetische Testung bei Ihnen sinnvoll ist. Diese führen wir in Zusammenarbeit mit dem Zentrum Familiärer Brust- und Eierstockkrebs der Charité (FBREK) durch.

Therapie

Wenn bei Ihnen Brustkrebs festgestellt wurde, stürmen viele Informationen auf Sie ein. Es ist wichtig zu wissen, dass Brustkrebs meistens eine heilbare Krankheit ist. Das Wichtigste für uns ist, Sie in dieser belastenden Situation nach der Diagnose menschlich und fachlich zu begleiten und im Einvernehmen einen Therapieplan zu entwickeln, der Ihre individuelle Situation miteinbezieht. Bei Problemen und Sorgen im Zusammenhang mit der Erkrankung steht Ihnen unser Team, bestehend aus Ärzt*innen, Krankenpfleger*innen, Psychoonkologinnen, dem Sozialdienst und der Krankenhausseelsorge mit Rat und Tat zur Seite.

Tumorkonferenz

Für eine optimale Behandlung von Brustkrebs reicht es heute nicht mehr aus, dass sich nur eine ärztliche Disziplin um die Patientinnen kümmert. Im Brustzentrum des Martin Luther Krankenhauses beraten wir deshalb in der wöchentlichen interdisziplinären Tumorkonferenz das Vorgehen gemeinsam. Neben den Kerndisziplinen operative Gynäkologie, Radiologie, Pathologie, Nuklearmedizin, Strahlentherapie und internistische Onkologie werden weitere Spezialist*innen der Fachgebiete Plastische Chirurgie, Psychoonkologie und Humangenetik bei Bedarf hinzugezogen. Auch die niedergelassenen Kolleg*innen können jederzeit an den Tumorkonferenzen teilnehmen. Damit sind alle Expert*innen auf dem gleichen Informationsstand.

Wir orientieren uns bei der Behandlung an den jeweils aktuellen Leitlinien. Dadurch stellen wir sicher, dass Sie genau die Behandlung bekommen, die nach dem heutigen Stand der Wissenschaft für Ihre Krankheitssituation am geeignetsten ist. Die Orientierung an Leitlinien schließt die Anwendung von experimentellen oder eben erst etablierten Behandlungsmethoden in bestimmten Fällen jedoch nicht aus.

Im Anschluss an eine solche Konferenz erfolgt eine ausführliche Beratung mit Ihnen. Sie können sich die Ergebnisse der Tumorkonferenz zur Erkrankung einsehen und entscheiden selbstverständlich mit bei der Wahl der Therapie.

Psychoonkologische Begleitung

Die Diagnose Krebs kann Gefühle von Angst, Verzweiflung und tiefer Traurigkeit auslösen. Nicht selten sind die psychische Erschütterung und Verunsicherung so groß, dass der Verlust der Kontrolle über das eigene Leben zu drohen scheint. Nichts ist mehr wie es vorher war. Zudem sind meist innerhalb kurzer Zeit wichtige Behandlungsentscheidungen zu treffen.

Eine psychoonkologische Begleitung kann unterstützen, mit den krankheits- und behandlungsbedingten Veränderungen umzugehen. Die Reduzierung von psychischen Belastungen  in allen Phasen der Erkrankung beeinflusst die Lebensqualität wohltuend.

Die psychoonkologische Begleitung orientiert sich an den persönlichen Bedürfnissen und Wünschen krebskranker Menschen und ihrer Angehörigen. Sie unterstützt dabei, die Kraftquellen zu nutzen, die zur Verfügung stehen oder sich neue zu erschließen, um – auch mit der Krankheit und deren Behandlung – ein Leben zu führen, das Zufriedenheit bereitet.

Wir bieten Ihnen die Möglichkeit, einen vertraulichen Gesprächskontakt mit unseren  Psychoonkologinnen Dana Pelczar-Kostyra und Angela Tietz aufzunehmen. Gern stehen sie auch Ihren Angehörigen und Freund*innen zur Seite. Die Psychoonkologinnen sind auf Wunsch zudem über Ihren Aufenthalt in unserem Krankenhaus für Sie da.

Sie informieren Sie auch über ambulante Versorgungseinrichtungen und Selbsthilfegruppen.

Die therapeutischen Verfahren im Überblick

Zur Behandlung von Brustkrebs stehen heute verschiedene Säulen der Therapie zur Verfügung, die je nach Diagnose und persönlicher Situation zum Einsatz kommen können.

Eine Operation ist bei Brustkrebs fast immer erforderlich. Ziel ist die vollständige Entfernung des bösartigen Tumors. In den meisten Fällen kann diese Operation brusterhaltend, d. h. ohne größere Gewebedefekte durchgeführt werden. Sollte doch ein Gewebedefekt entstehen, kann dieser durch eine gleichzeitige plastische Operation korrigiert werden (onkoplastische Operation).

Bei größeren Eingriffen und wenn die Entfernung der Brustdrüse (Mastektomie) erforderlich ist, wenden wir auf Wunsch plastische Operationsverfahren (Brustrekonstruktion) an. Die Rekonstruktion kann direkt nach der Tumor- bzw. Brustentfernung oder in einer späteren zweiten Operation erfolgen – entweder mit einem Implantat oder mit körpereigenem Gewebe oder der Kombination von beidem. Wir arbeiten eng mit dem Rekonstruktiven Brustzentrum der Klinik für Plastische, Ästhetische und Handchirurgie zusammen, die auf diese Operationen spezialisiert ist und über langjährige Erfahrung verfügt.

Falls eine Chemotherapie erforderlich ist, wird diese oft vor der Operation durchgeführt. Hier wird der Tumor zunächst verkleinert, so dass anschließend der Erhalt der Brust möglich ist.

In der histologischen Untersuchung werden die Schnittränder daraufhin untersucht, ob sie Tumorzellen enthalten. Wenn nicht, kann davon ausgegangen werden, dass der Tumor vollständig entfernt wurde. Gelegentlich ist eine zweite Operation notwendig.

Die bei der Operation erforderliche Entfernung von Achsel-Lymphknoten erfolgt in der Regel durch die schonende Wächterlymphknotenbiopsie (Sentinel-Lymphknotenbiopsie). Vor der Operation wird der Wächterlymphknoten durch die Nuklearmediziner*innen mit Hilfe der Lymphszintigrafie markiert, damit dieser gezielt entfernt werden kann. Durch den so genannten Schnellschnitt wird schon während der Operation getestet, ob der Lymphknoten befallen ist. Weist dieser Brustkrebszellen auf, ist oft die Entfernung weiterer Lymphknoten aus der Achselhöhle nötig. Dies erfolgt gewebeschonend und beinhaltet die Entfernung von etwa zehn Lymphknoten, die einer genauen Untersuchung durch die Patholog*innen unterzogen werden.

Mit Hilfe einer Chemotherapie sollen alle im Körper befindlichen Krebszellen zerstört werden (systemische Therapie). Durch die Medikamente werden die Krebszellen an der Teilung gehindert – das macht sie, bei sich schnell teilenden Brustkrebszellen, besonders wirksam.

Durch die Chemotherapie werden aber auch gesunde, schnell teilende Zellen wie die Schleimhautzellen angegriffen, was zu Nebenwirkungen führt. Zu den typischen Nebenwirkungen einer Chemotherapie zählen Erschöpfung und Müdigkeit (Fatigue), Anämie, Übelkeit und Erbrechen, Durchfall oder Verstopfung, Appetitlosigkeit, Schleimhautentzündungen im Mund und im Darm, Haarausfall, Immunschwäche, Gefühlsstörungen an Händen und Füßen (Neuropathie) oder Konzentrationsstörungen. Die meisten Nebenwirkungen sind vorübergehend und können mittlerweile sehr wirksam bekämpft werden.

Um festzustellen, ob eine Chemotherapie erforderlich ist, bieten wir in bestimmten Fällen einen neuen molekulardiagnostischen Test für Brustkrebspatientinnen (z. B. EndoPredictAssay oder Oncotype DX) an. Der Test identifiziert Brustkrebspatientinnen, die statt einer Chemotherapie eine nebenwirkungsärmere Therapie erhalten können. Wenn für Sie eine Chemotherapie geplant ist, wird diese in der Regel ambulant in einer wohnortnahen Praxis bei einem unserer Kooperationspartner durchgeführt.

Die Strahlentherapie gehört neben der Operation und der medikamentösen Behandlung zu den häufigsten Therapien bei Brustkrebs. Durch gezielte Bestrahlung sollen die Brustkrebszellen absterben. In der Regel wird die Strahlentherapie nach der Operation und/ oder Chemotherapie begonnen, um das Risiko eines Wiederauftretens der Krankheit zu verringern. Mit der Strahlentherapie können Tumor-Areale heute sehr zielgenau getroffen werden, ohne benachbarte Organe zu schädigen. Nebenwirkungen können eine Rötung und Reizung der betroffenen Hautpartien sein. Sollte eine Bestrahlung bei Ihnen erforderlich sein, kann diese bei unserem Kooperationspartner für Strahlentherapie in unserem Haus durchgeführt werden.

Rund 70% aller Brustkrebserkrankungen sind hormonabhängig. In diesem Fall kommt die antihormonelle Therapie zum Einsatz. Als Ergänzung zur Operation dauert diese meist mehrere Jahre. Nebenwirkungen können vor allem bei jüngeren betroffenen Frauen, als Folge des Östrogenentzugs, oft typische Wechseljahresbeschwerden sein. Dazu zählen das Ausbleiben der Regel, Hitzewallungen, trockene Schleimhäute und/ oder Haarausfall. Aromatasehemmer können Muskel- und Gelenkschmerzen auslösen und das Osteoporoserisiko erhöhen.

Die wissenschaftliche Forschung befasst sich zunehmend mit der Entwicklung so genannter gezielter Therapien (targeted therapies). Dabei werden typischerweise die Signalketten, die das Wachstum von Krebszellen auslösen, mit bestimmten Stoffen (Antikörpern) unterbrochen.

Bei Brustkrebs stehen die Antikörper Trastuzumab und Pertuzumab zur Verfügung. Sie blockieren den HER2-neu-Rezeptor auf der Oberfläche von Krebszellen, der das Wachstum dieser Zellen vermittelt. Diese Antikörper können bei einem Teil der Brustkrebspatientinnen eingesetzt werden. Die Antikörper-Gabe wird mit einer Chemotherapie kombiniert und in der Regel als Infusion verabreicht.

Nebenwirkungen können grippeähnliche Symptome (Fieber bis Kopfschmerzen), Hautausschläge und seltene Allergien sein. Möglicherweise kann der Wirkstoff auch Herzprobleme auslösen. Deshalb muss das Herz während der Therapie kontinuierlich überwacht werden.

Die Krebsimmuntherapie eröffnet bei einer bestimmten Gruppe von Brustkrebspatientinnen, die von einem fortgeschrittenen sogenannten triple-negativem Brustkrebs betroffen sind, neue Möglichkeiten. Derzeit wird zudem in klinischen Studien geprüft, ob dieser Therapieansatz auch anderen Brustkrebspatientinnen zugute kommen könnte.
Mit Hilfe der Immuntherapie soll das körpereigene Immunsystem beim Kampf gegen die Tumorzellen unterstützt werden.

Viele Brustkrebspatientinnen möchten gern selbst aktiv werden, um das eigene Wohlbefinden zu verbessern. Als Basis der Komplementärtherapie gelten eine gesunde Ernährung sowie ausreichend Bewegung und Sport. So können sich bei einer Krebserkrankung körperliche Aktivitäten und Sport positiv auf die Lebensqualität während der Krankheitsphase sowie den weiteren Krankheitsverlauf auswirken.
Inwieweit weitere begleitende, komplementärmedizinische Anwendungen hilfreich sein könnten, sollten Sie stets individuell mit Ihren behandelnden Ärzt*innen besprechen.

Im Martin Luther Krankenhaus ist die Supportiv- und Palliativmedizin ein integraler Bestandteil für Patient*innen mit Erkrankungen, die lebensbegrenzend sein könnten. Die Behandlung erfolgt durch unser Supportiv- und Palliativteam in einem Spezialteil der Klinik für Innere Medizin oder vor Ort in den anderen Kliniken des Hauses. Spezialisierte Fachkräfte aus dem ärztlichen, pflegerischen und physiotherapeutischen Dienst, der Krankenhausseelsorge, der Kunst- und Klangtherapie und dem Sozialdienst stehen an der Seite der von uns betreuten Patient*innen und deren Angehörigen.

Weitere Informationen zu unserer Palliativeinheit.

Wissenschaftliche Studien

Die Teilnahme an wissenschaftlich-begleiteten Studien wird nicht nur von allen Experten empfohlen, sie ist auch fester Bestandteil der Qualitätsanforderungen an ein Brustzentrum. Auch im Brustzentrum des Martin Luther Krankenhauses werden Studien zur Verbesserung von Diagnostik und Therapie unter kontrollierten Bedingungen und mit wissenschaftlicher Begleitung durchgeführt.

Teilnehmende Patientinnen erhalten im Rahmen von Studien eine besonders intensive Betreuung und Behandlung nach modernsten wissenschaftlichen Erkenntnissen. Sprechen Sie uns darauf an, ob eine Studie für Sie in Frage kommt.

Nach der Entlassung

Auch nach dem Krankenhausaufenthalt gibt es viele Fragen und Unsicherheiten, bei denen wir Ihnen jederzeit mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Schon während des Aufenthaltes organisiert unser Sozialdienst bei Bedarf eine Anschlussheilbehandlung (AHB) oder die häusliche Versorgung. Darüber hinaus unterstützt er Sie und Ihre Angehörigen bei sozialen und organisatorischen Fragen wie der beruflichen Rehabilitation, dem Bezug von Krankengeld und bei Antragsstellung z. B. auf Schwerbehinderung und Hilfsmittel.

Bei der Nachsorge handelt es sich um regelmäßige medizinische Kontrollen, mit denen ein Wiederauftreten der Erkrankung möglichst früh entdeckt werden soll. Dazu gehören Selbstuntersuchungen, ärztliche Untersuchungen, Mammografien und Ultraschall, aber auch die Überwachung von Langzeittherapien und Nebenwirkungen.
In der Regel erfolgt die Nachsorge bei Ihrer niedergelassenen Frauenärztin bzw. Ihrem Frauenarzt. Um nach der Entlassung eine reibungslose Weiterbehandlung zu gewährleisten, arbeiten wir eng mit den niedergelassenen Kolleg*innen zusammen. Für besondere Fragestellungen können Sie sich jedoch jederzeit an uns wenden.