03.07.2018

Chemotherapie bei Brustkrebs nicht immer notwendig

Eine aktuelle Studie ergab, dass pro Jahr in den USA bei 60.000 Frauen Chemotherapie vermieden werden könnte.

  • Auf Kongressen in den USA und in Deutschland sorgten die Ergebnisse für viel Aufmerksamkeit.
  • In den Brustzentren der Paul Gerhardt Diakonie läuft die individuelle Einschätzung, ob Chemotherapie oder nicht, bereits auf diesem hohem Niveau.
  • Die Ergebnisse der Studie lassen hoffen, dass Frauen mit einem sogenannten mittleren Risiko bei einer Erkrankung an hormonabhängigem Brustkrebs besser beraten werden können.

„Wir nutzen eine Vielzahl an Kriterien, um abzuschätzen, ob eine Patientin Chemotherapie benötigt oder nicht. So setzen wir in Grenzfällen einen speziellen Genexpressionstest ein, mit dem wir die individuelle Behandlung optimieren“, sagt PD Dr. med. Friederike Siedentopf, Leiterin des Brustzentrums des Martin-Luther-Krankenhauses. „Diese Testung erfolgt am Tumorgewebe, das bei der Operation entfernt wurde.“

Dr. med. Martina Dombrowski, Chefärztin und Leiterin des gynäkologischen Krebszentrums und des Brustzentrums am Evangelischen Waldkrankenhaus Spandau, ergänzt: „Wir nehmen kontinuierlich mit hohen Teilnahmezahlen an der ADAPT-Studie teil, die eine ähnliche Zielsetzung wie die aktuelle US-Studie hat. Bei diesem erweiterten Konzept wird durch eine Vorbehandlung die unmittelbare Wirkung der Hormontherapie auf das Tumorgewebe getestet. So nutzen wir noch mehr Informationen, um das individuelle Risiko jeder Patientin zu bestimmen und unnötige Chemotherapien zu vermeiden.“

Die ADAPT-Studie berücksichtigt persönliche Risikofaktoren, um jeder Patientin eine individuelle, optimierte Therapie anbieten zu können. Bundesweit sind an verschiedenen Krankenhäusern ca. 5.000 Patientinnen aufgenommen worden.

Details der US-Studie

Zehntausende Frauen mit einer frühen Diagnose Brustkrebs können sich gefahrlos entscheiden, auf eine Chemotherapie zu verzichten. Auf diese Zahl kommt eine US-Studie, kürzlich veröffentlicht im New England Journal of Medicine.

2006 startete das National Cancer Institute die klinische Studie mit 10.273 Patientinnen, um das Risiko eines Wiederauftretens von Krebs zu bewerten. Dafür ermittelten sie an operativ entferntem Tumorgewebe mit einem Genexpressionstest die Rückfallwahrscheinlichkeit. Diese bewerteten sie von 0 bis 100 Punkten.

Frühere Forschungsergebnisse zeigten, dass Patientinnen bis zu 10 Punkten keine Chemotherapie benötigen. Bei Werten über 25 war eine Chemotherapie notwendig. Für Patientinnen mit einem Wert zwischen 10 und 25 gab es jedoch keine eindeutige Richtlinie.

6.711 Frauen wiesen so einen mittleren Rückfallwert auf. Diese Frauen erhielten nach dem Zufallsprinzip entweder eine Hormontherapie oder eine Hormon- plus Chemotherapie.

Ergebnisse

Die Forscher fanden heraus, dass die Heilungschancen der Frauen beider Gruppen ähnlich sind. Der Wert bei Frauen nur mit Hormontherapie lag nach neun Jahren bei 93,9%. Bei der Gruppe mit Chemotherapie lag er nach dem gleichen Zeitraum bei 93,8%.

Die Forscher folgerten, dass zwischen den Behandlungen keine signifikanten Unterschiede bestanden. Sie deuteten jedoch an, dass Frauen im Alter von 50 Jahren oder jünger mit einem Rückfallwert von 16 bis 25 durchaus einen Nutzen durch Chemotherapie haben können.

Quellen und weitere Informationen

Weitere Bilder:

PD Dr. med. Friederike Siedentopf
Dr. med. Martina Dombrowski
PD Dr. med. Friederike Siedentopf im Beratungsgespräch

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Das Martin-Luther-Krankenhaus in Berlin-Wilmersdorf, ein Unternehmen der Paul Gerhardt Diakonie, ist ein Akut- und Unfallkrankenhaus sowie Akademisches Lehrkrankenhaus der Charité – Universitätsmedizin Berlin. Das 1931 gegründete Haus verfügt über 260 Betten. Jährlich werden in den acht Kliniken und seinen zertifizierten Zentren circa 14.500 Patienten stationär und 20.000 Patienten ambulant versorgt.

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