28.09.2017

Schneller wieder mobil nach dem Einsatz künstlicher Hüft- und Kniegelenke

rbb Fernsehen berichtet über Rapid Recovery Programm: 4. Oktober 2017, 20:15 Uhr, rbb Praxis

Gerade vier Stunden liegt die Operation zurück, in der der Patient im mittleren Alter im Evangelischen Waldkrankenhaus Spandau ein künstliches Hüftgelenk bekommen hat. Und trotzdem kann er schon ohne Hilfsmittel über den Krankenhausflur gehen. „Sie brauchen die Gehstützen nicht, Sie können sie wegstellen“, hatte Orthopädie-Chefarzt Prof. Dr. Ulrich Nöth wenige Minuten vorher zu ihm gesagt. Er hat recht behalten. 

Grund für die schnelle Besserung ist das neue Rapid Recovery Programm im Waldkrankenhaus. Übersetzt bedeutet Rapid Recovery so viel wie rasche Genesung. Mitarbeiter verschiedener Berufsgruppen des Waldkrankenhauses haben den Prozess für die Implantation künstlicher Hüft- und Kniegelenke in der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie unter der Leitung von Prof. Dr. med. Ulrich Nöth in den letzten Monaten gemeinsam erarbeitet. Das Ziel: Jeder Betroffene soll bereits vier Stunden nach der Operation schmerzarm mobilisiert werden und mit Gehstützen laufen können. rbb Praxis berichtet in seiner Sendung am Mittwoch, 4. Oktober 2017, 20:15 Uhr, über den neuen Behandlungspfad am Evangelischen Waldkrankenhaus Spandau. Prof. Nöth wird live im Studio Fragen beantworten.

Das Rapid Recovery Programm wird seit August 2017 bei allen dafür geeigneten Patienten eingesetzt, die sich im Waldkrankenhaus ein künstliches Knie- oder Hüftgelenk implantieren lassen. Die Patienten gehen nach der Operation in die Anschlussheilbehandlung, sobald sie alle Entlass-Kriterien erfüllen; in der Regel am vierten oder fünften Tag, spätestens jedoch sieben Tage nach dem Eingriff. Prof. Nöth: „Für uns ist der Patient als aktiver Partner seines Behandlungsprozesses der Mittelpunkt. Seine Gesundheit und sein Wohlbefinden stehen im Vordergrund. Mit dem Rapid Recovery Programm möchten wir das Bestmögliche für den Patienten erreichen. Er empfindet die Operation als weniger drastisch, weil er schneller in seinen Alltag zurückkehren kann. Das ist für Menschen im mittleren Alter wichtig, aber auch für alte Patienten, die so gar nicht erst immobil werden.“

Bestandteile des neuen Rapid Recovery Programms:

Umfassende Information

Neben Aufklärungsmaterialien – digital als App oder analog als Ordner – gibt es auch ein Patientenseminar, in dem Patienten schon einige Tage vor der Operation die an ihrer Behandlung beteiligten Orthopäden, Anästhesisten, Pflegekräfte, Sozialdienstmitarbeiter und Physiotherapeuten kennenlernen. Die Patienten üben außerdem schon jetzt den Gang mit den Gehstützen. Das gibt Sicherheit. 

Essen und Trinken wie vor einem Marathon

Um den Kreislauf in Gang zu halten, isst der Patient vor der Operation kohlehydratreich und darf bis zwei Stunden vorher auch klare Flüssigkeiten trinken. Direkt nach der Operation bekommt er zuckerhaltige Getränke und Speiseeis. Infusionen werden so überflüssig und der Körper hat durchgehend Energie. 

Weniger Blutverlust

Eine veränderte Medikation verringert den Fluss des Blutes und der Gewebsflüssigkeit. Transfusionen und Drainagen sind deshalb nicht mehr nötig. Die Operationsmethode entspricht modernsten Standards. An der Hüfte werden minimalinvasive Techniken genutzt.

Veränderte Schmerzmedikation und Anästhesie

In der Regel werden kurzwirksame und gut verträgliche Narkosemedikamente verwendet. Die Schmerztherapie setzt an unterschiedlichen Punkten der Schmerzentstehung, -weiterleitung und -wahrnehmung an. Schmerz, narkosebedingte Übelkeit und Schwindel werden so minimiert.

Vermindertes Krankheitsgefühl

Die Patienten dürfen sich gleich nach der Operation auch auf die operierte Seite drehen und ihre normale Kleidung wieder anziehen. 

Strenger Bewegungsplan

Die Physiotherapie folgt einem strengen Bewegungsplan. Die Patienten, die sich schon seit dem Seminar kennen, motivieren sich dabei gegenseitig und notieren ihre Fortschritte in einem Tagebuch. 

Intensiver Austausch mit der Rehaklinik

Die Entlassung wird frühzeitig geplant. In der Rehaklinik oder der ambulanten Physiotherapie wird der Bewegungsplan dann weiterhin eingehalten.

Zur Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie

Pro Jahr werden unter der Leitung von Prof. Dr. med. Ulrich Nöth etwa 750 künstliche Hüft- und 450 künstliche Kniegelenke als Erstimplantate eingesetzt. Der Einsatz von künstlichen Gelenken gehört zu den Schwerpunkten der Klinik. Auch die Revisionsendoprothetik für Hüften und Knie, also der Austausch von Endoprothesen, ist ein Spezialgebiet in Spandau. 300 neue Gelenke dieser Art werden im Rahmen von Wechseloperationen implantiert. Im Bereich des Austauschs von Endoprothesen setzen die Spezialisten auf innovative Methoden, beispielsweise mit dem vorderen minimalinvasiven Zugang zum Hüftgelenk, der anliegende Muskeln und Sehnen schont. Auch mit Teilprothesen, die an individuelle Konturen des Kniegelenks angepasst sind, bietet die Klinik eine besondere Leistung. Das Team von Prof. Nöth beteiligt sich an Studien zum Gelenkersatz an Hüfte und Knie. Die Klinik ist das größte zertifizierte Endoprothetikzentrum der Maximalversorgung (EPZmax) in Berlin und erfüllt somit die Anforderungen der bundesweit höchsten fachspezifischen Zertifizierung.

Über das Evangelische Waldkrankenhaus Spandau

Das Evangelische Waldkrankenhaus Spandau, ein Unternehmen der Paul Gerhardt Diakonie, ist Akademisches Lehrkrankenhaus der Charité – Universitätsmedizin Berlin. In den acht Fachabteilungen und zwölf medizinischen Zentren des 1947 gegründeten Krankenhauses sowie 493 Betten werden jährlich rund 22.000 Patienten stationär und weitere 53.000 Patienten ambulant versorgt.

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Über die Paul Gerhardt Diakonie

Zur Paul Gerhardt Diakonie gehören acht Krankenhäuser, sieben Senioren- und Pflegeeinrichtungen sowie Einrichtungen für betreutes Wohnen, ein Hospiz und mehrere ambulante Rehabilitationszentren sowie medizinische Versorgungszentren in Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern. Darüber hinaus werden Einrichtungen anderer Träger im Management geführt.

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Kontakt

Paul Gerhardt Diakonie e.V., Berlin und Wittenberg

Griesingerstraße 8

13589 Berlin

Lilian Rimkus
Pressesprecherin

Tel.: 030 3702-2504

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