Im Februar wurde Rudolf Dinter operiert, hier im Bild mit Prof. Dr. med. Kleber (links) und Dr. med. Afan (rechts) nach der Operation. Foto: Janet Pötzsch

21.04.2020

Sanduhrartiges Drahtgeflecht im Herzen – und kleine Radtouren sind wieder möglich

Erster Patient im Paul Gerhardt Stift erhält Reducer-System

Ein sanduhrartiges Drahtgeflecht hat Rudolf Dinter vermutlich das Leben gerettet, zumindest aber wieder lebenswert gemacht. Jahrelang hatte sich der Zörnigaller mit Schmerzen in der Brust aufgrund einer Verengung der Herzkranzgefäße gequält – erst die neuartige Methode, bei der mittels Kathetereingriff ein Reducer-System in die Herzkranzvene eingesetzt wird, brachte den gewünschten Erfolg. „Ich mache gute Fortschritte und bin den Ärzten im Paul Gerhardt Stift sehr dankbar. Sogar Radtouren sind schon möglich“, berichtete der Patient kurz vor Ostern am Telefon.

Bereits im Februar war die Operation bei Rudolf Dinter vorgenommen worden – er war der erste Patient mit dieser OP-Methode im Paul Gerhardt Stift. „Der Eingriff ist noch neu, aber sehr vielversprechend und kommt bei Patienten zum Einsatz, bei denen alle vorherigen Therapiemöglichkeiten ausgereizt sind und nicht den gewünschten Erfolg brachten“, erklärt Prof. Dr. med. Franz X. Kleber, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin III (Kardiologie) am Paul Gerhardt Stift.

Zusammen mit seinem Kollegen Dr. med. Samuel Afan, Facharzt der Kardiologie am Wittenberger Krankenhaus, hat der erfahrene Arzt das Mini-Drahtgeflecht in das Herz von Rudolf Dinter eingesetzt. „Der Eingriff ist in örtlicher Betäubung erfolgt. Zunächst wurde die Halsvene punktiert, über diese wird dann der Katheter, also ein biegsamer Kunststoffschlauch über den rechten Herzvorhof in die Herzkranzvene vorgeschoben“, so Dr. Afan. Mit Hilfe des Katheters kann dann ein zusammengefaltetes sanduhrförmiges Drahtgeflecht in die Vene eingebracht werden. Auf dem Katheter befindet sich ein kleiner aufblasbarer Ballon. Dieser wird gefüllt, das Drahtgeflecht dehnt sich so auf und kann in der Herzkranzvene verankert werden; der Katheter wird dann wieder entfernt und der Gefäßzugang am Hals mit einem Verband versorgt. „Mit diesem System schaffen wir eine taillenförmige Engstelle, die den Blutrückfluss in der Vene zum Herzen verlangsamt“, sagt Dr. Afan.

Was in der Beschreibung relativ simpel klingt, ist in der Realität ein aufwändiger Eingriff, bei dem höchste Konzentration gefordert ist: „Der Eingriff bei Herrn Dinter hat länger als 2 Stunden gedauert“, sagt Dr. Afan. Im Anschluss brauchte der Patient noch einiges an Geduld, denn die Besserung der Beschwerden und die Steigerung der Belastbarkeit zeigt sich meist erst nach 6 bis 12 Wochen. Rudolf Dinter kann dies bestätigen: „Zuerst habe ich gedacht, der Eingriff hat gar nichts gebracht, aber die Ärzte hatten ja gesagt, dass sich die Erfolge erst nach ein paar Wochen zeigen. Und tatsächlich: Inzwischen geht es mir sehr viel besser, ich konnte sogar schon wieder kleinere Radtouren unternehmen. Das war vor dem Eingriff undenkbar“, erzählt der Patient dankbar am Telefon.

Weitere Bilder:

Die Ärzte während des Eingriffs im Herzkatheterlabor. Links Dr. med. Samuel Afan, rechts Prof. Dr. med. Franz X. Kleber. Foto: Janet Pötzsch
Ein solches sanduhrartiges Drahtgeflecht wurde eingesetzt. Copyright @ neovasc.com

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