30.07.2021

Covid, Urlaub und der Herbst: „Wir müssen vorsichtig bleiben!“

Interview mit Prof. Dr. med. Franz X. Kleber

Das Corona-Virus hält die Welt weiter in Atem – und dies wird nach Ansicht von Prof. Dr. med. Franz X. Kleber, stellvertretender Direktor am Evangelischen Krankenhaus Paul Gerhardt Stift, vorerst auch so bleiben. Im Interview erklärt er, warum die Impfung eine so große Rolle spielt, was die Menschen im Urlaub beachten sollten und auch, wie wir uns auf den Herbst vorbereiten können.

Herr Prof. Dr. Kleber, Sie werben bereits seit einiger Zeit für die Corona-Schutzimpfung, zuletzt auch zusammen mit Amtsärztin Susanne Göbel in der Presse. Warum ist die Impfung aus Ihrer Sicht so wichtig?

„Die Impfung schützt! Nicht nur einen selbst, sondern auch die Menschen im unmittelbaren Umkreis. Wer geimpft ist, hat ein sehr viel geringeres Risiko, sich mit Covid zu infizieren, und damit eben auch ein geringeres Risiko, andere Menschen anzustecken. Die Impfung kann uns unsere lang ersehnte Freiheit zurückgeben, besser und sicherer als Antigen-Testungen. Und die Impfung ist sehr, sehr nebenwirkungsarm“

Haben Sie dennoch Verständnis dafür, wenn sich Menschen nicht impfen lassen?

„Die Entscheidung trifft letztlich jeder selbst, das stelle ich auch nicht in Frage. Aber wir können der Pandemie nur mit Schutzimpfungen entgegentreten. Das Risiko, sich mit Covid zu infizieren, ist nach wie vor gegeben und vor allem Ungeimpfte werden zukünftig gefährdet sein. Keiner von uns möchte derjenige sein, der für die Ansteckung eines Kindes, das einen der seltenen schweren Verläufe hat, mitverantwortlich ist.“

In Israel ist gerade zu beobachten, dass sich vereinzelt auch zweifach Geimpfte mit der Delta-Variante infizieren – dies ist für Impfgegner natürlich ein Argument gegen die Impfung. Wie schätzen Sie dies ein?

„Die Sterblichkeit in Israel betrug unter etwa 5 Millionen Geimpften 0,1 % und schwere Verläufe im Krankenhaus traten bei 0,2 % auf. Ich denke, das ist für eine Impfung ein überragender Wirksamkeitsnachweis. Für die Delta-Variante wird die Sterblichkeit auf 0,3 % geschätzt zur Zeit. Das sind Risiken, wie wir sie auch von der Grippe kennen. Wir kommen also mit der Impfung aus dem Bereich einer sehr bedrohlichen Erkrankung in den Bereich eines Alltagsrisikos. Aber eben nur vollständig Geimpfte.

Was ist neben der Impfung aus Ihrer Sicht außerdem vor allem mit Blick auf den Herbst wichtig?

Der regelmäßige Luftaustausch, Abstand halten und regelmäßige Händedesinfektion bleiben weiterhin wichtige Schutzmaßnahmen. Das Virus überträgt sich durch Aerosole, die sehr intensiv über die Atemluft in die Räume gelangen. Das regelmäßige Lüften – und damit meine ich einen Luftaustausch und nicht das ständig gekippte Fenster – bleibt eine der wichtigsten weiteren Schutzmaßnahmen. Vor allem mit Blick auf das wieder beginnende Schuljahr muss das beachtet werden. Auch das Abstand halten zum Nebenmann – ob in der Schule, im Büro oder beim Einkaufen – kann Infektionen vorbeugen, vor allem in geschlossenen Räumen.

In Sachsen-Anhalt haben die Sommerferien ja gerade erst begonnen, für viele steht der Urlaub noch vor der Tür. Was raten Sie Reisenden?

Im Prinzip gelten die gleichen Regeln wie zuhause: Menschenansammlungen möglichst meiden, Abstand halten, und in geschlossenen Räumen auf regelmäßigen Luftaustausch achten. Verbringen Sie möglichst viel Zeit in den Außenbereichen.

Sollte es für Reiserückkehrer schärfere Einreiseregeln geben, wenn diese in die Heimat zurückkehren?

Das würde ich als sehr sinnvoll erachten, um Infektionen frühzeitig zu erkennen und weitere Übertragungsketten umgehend zu vermeiden.

Wie schätzen Sie die weitere Entwicklung der Corona-Pandemie ein?

Das Virus wird nicht einfach wieder verschwinden, wir müssen lernen, damit umzugehen, frühzeitig Maßnahmen zu ergreifen und auf eventuelle Mutationen zu reagieren. Langfristig rechne ich damit, dass sich das Virus abschwächt, vor allem dann, wenn ein Großteil der Menschen durch die Impfung geschützt ist.

Über das Evangelische Krankenhaus Paul Gerhardt Stift

Das Evangelische Krankenhaus Paul Gerhardt Stift in Lutherstadt Wittenberg ist eine Einrichtung der Paul Gerhardt Diakonie Krankenhaus und Pflege GmbH in Trägerschaft der Johannesstift Diakonie sowie der Paul-Gerhardt-Stiftung. Als Krankenhaus der Basisversorgung und Akademisches Lehrkrankenhaus der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg bieten wir neben einer hochwertigen Allgemein- und Notfallversorgung auch spezialisierte Fachbereiche und Zentren.

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