Mit einem Modellkopfs erklärt Antje Kassin, worauf Patienten bei einer Maskenbeatmung achten müssen.

26.02.2019

Leben mit Maskenbeatmung

Erstes ambulantes Zentrum für Information, Beratung und Schulung (ZIBS) hilft niedrigschwellig und kostenlos in Berlin und Brandenburg.

Intensivpflegebedürftige Menschen, die künstlich über eine Trachealkanüle beatmet werden, haben rund um die Uhr einen sehr komplexen medizinischen und behandlungs-pflegerischen Hilfebedarf, eine durch die Kassen gesicherte Finanzierung und inzwischen entsprechende Angebote der professionellen Versorgung. Anders bei Menschen, die auf eine Maskenbeatmung angewiesen sind: Sie werden zuhause oftmals alleingelassen – mit verheerenden Folgen. Hier greift ZIBS, das erste ambulante Zentrum für Information, Beratung und Schulung. Eine Idee aus der Evangelischen Lungenklinik Berlin Buch, die den helfenden Laien kostenlose und niedrigschwellige Unterstützung anbietet - übrigens die einzige fokussierte und spezialisierte Schulung und Beratung dieser Art in Berlin und Brandenburg.

„Wir erleben es immer wieder, dass Patienten und pflegende Angehörige mit ihren Problemen bei der Maskenbeatmung alleingelassen werden. Oft mit katastrophalen Folgen“, sagt Antje Kassin, examinierte Krankenschwester mit langjähriger Intensiverfahrung im außerklinischen Pflegebereich, Pflegeexpertin für außerklinische Beatmung, ausgebildete Pflegeberaterin und Leiterin des ZIBS für die Ambulante Dienste GmbH der Evangelischen Lungenklinik.

Der Provider, der die Lieferung, Einweisung und Wartung der Geräte übernimmt, ist zwar für die Aufklärung der Patienten verantwortlich, aber, so Antje Kassin weiter: „Das reicht bei weitem nicht, denn ergänzende Aspekte rund um das Thema Beatmung und Pflegeleistungen sind nicht seine Aufgabe. Viele Patienten und auch deren Angehörige sind nach nur einer Bedienungseinweisung komplett überfordert mit der Technik, der richtigen Anwendung und Vorbeugung von Komplikationen oder Notfallsituationen.“ Auf der Strecke bleiben oftmals auch Hygieneempfehlungen und die richtige Pflege.

Mangelnde Schulung und Begleitung und die damit verbundenen gravierenden Fehler im Umgang mit der Maske, den Geräten und der Hygiene in Kombination mit Ängsten und sozialen Sorgen, können im schlimmsten Fall zu einem Dekubitus im Gesicht oder Therapieabbrüchen führen. Bei falscher Handhabung, einer schlimmen Druckstelle im Gesicht oder schwer entzündeten Augen bleiben oft nur weitere ergänzende Therapien oder ein erneuter Krankenhausaufenthalt. Im schlimmsten Fall muss eine Beatmung über die Trachealkanüle eingeleitet werden. „Das ist den meisten gar nicht wirklich klar!“ Damit sinkt die Lebensqualität rapide, da eine Trachealkanüle Sprechen und eine normale Nahrungsaufnahme unmöglich macht.

PfiFf - Pflege in Familien fördern

Zwar haben Patienten mit Pflege-, Versorgungs- und Betreuungsbedarf, die Leistungen aus der Pflegeversicherung beantragt haben oder erhalten, seit zehn Jahren einen gesetzlichen Anspruch auf eine kostenlose und individuelle Beratung, allerdings wird das bei Maskenpatienten beinahe nie umgesetzt, vor allem aus Mangel an Strukturen oder Angeboten.

Genau diese Patienten aber sind gefährdet, invasiv beatmete Patienten zu werden - mit allen Konsequenzen! Verträge mit einigen Pflegekassen für die Leistungen des ZIBS konnten bereits abgeschlossen werden. Mit der Pflegeakademie der AOK Nordost werde ab April das bestehende Modell „PfiFf - Pflege in Familien fördern“- um das Thema außerklinische, nicht-invasive Beatmung erweitert. „Ich habe bislang gute Erfahrungen mit den Kassen gemacht, die erkannt haben, welche Vorteile es bringt, Patienten intensiv nach der Klinikentlassung in die Häuslichkeit oder bei bereits bestehender Therapie zu begleiten und zu beraten. Denn am Ende des Tages ist ein maskenbeatmeter Patient in der Versorgung um ein vielfaches preiswerter als ein beatmeter Patient mit einer Trachealkanüle.“

Über die Evangelische Lungenklinik

Die Evangelische Lungenklinik, ein Unternehmen der Johannesstift Diakonie, ist seit ihrer Gründung im Jahr 1952 eine weithin anerkannte Spezialklinik für akute und chronische Erkrankungen der Lunge sowie des Brustkorbs.

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Über die Johannesstift Diakonie gAG

Die Johannesstift Diakonie gAG ist das größte konfessionelle Gesundheits- und Sozialunternehmen in der Region Berlin und Nordostdeutschland. 8.850 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leisten moderne Medizin und zugewandte Betreuung im Einklang mit den christlich-diakonischen Werten des Unternehmens. Der Träger betreibt Einrichtungen in Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen und Niedersachsen mit einem vielfältigen Angebot in den Bereichen:

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