Patientinneninformation Brustrekonstruktion nach Brustkrebs

Die Brustrekonstruktion nach Brustkrebs führen wir im Rekonstruktiven Brustzentrum der Evangelischen Elisabeth Klinik bevorzugt mit Eigengewebe durch. Den Brustaufbau aus Eigengewebe empfinden die Patientinnen als natürlich im Hinblick auf Form, Konsistenz und Wärme. Es kann auf die Einlage von Silikonimplantaten verzichtet und somit das Risiko möglicher späterer Komplikationen wie z. B. einer Kapselfibrose vermindert werden.
Der Brustaufbau mit Eigengewebe kann prinzipiell zu jedem Zeitpunkt erfolgen, wobei nach Chemotherapie oder Strahlentherapie sechs Monate vergangen sein sollten. Selbst wenn die Amputation der Brust schon einige Jahre zurückliegt, kann die Brust rekonstruiert werden. Wenn das Drüsengewebe bei Nachweis eines Brustkrebsgens (BRCA Gen­mutation) prophylaktisch entfernt wird, kann bereits bei dieser Operation simultan der Wiederaufbau der Brust durch Eigengewebe durchgeführt werden. Ebenso kann bei prophylaktischer Entfernung des Drüsen­gewebes bei Nachweis eines Brustkrebsgens (BRCA Gen­mutation) in einer Operation simultan das Drüsengewebe entfernt und durch Eigengewebe ersetzt werden.

Abhängig von den individuellen Bedürfnissen unserer Patientinnen werden im Rekonstruktiven Brustzentrum der Evangelischen Elisabeth Klinik verschiedene Methoden des Brustaufbaus mit Eigengewebe angeboten:

Das häufigste Verfahren zur Brustrekonstruktion ist die sogenannte DIEP-Lappenplastik. Diese ist ein Haut-Fettgewebstransplantat vom Unterbauch. Die Besonderheit dieser Lappenplastik ist der geringe Schaden an der Entnahmestelle. Da bei diesem Verfahren im Vergleich zu früheren Verfahren (TRAM-Lappenplastik) auf die Entnahme von Muskulatur am Bauch verzichtet wird, wird die Bauchwand in der Regel nicht geschwächt. Die DIEP-Lappenplastik wird vom Unterbauch einschließlich der für die Durchblutung verantwortlichen Arterie und Vene ent­nommen. Danach erfolgt unter dem Operationsmikroskop ein neuer Anschluss an Blutgefäße der Brustwand.
Bei starken bereits bestehenden Vernarbungen am Bauch oder bei sehr schlanken Patientinnen, die nicht ausrei­chend Fettgewebe am Unterbauch haben, können alternative Methoden angewendet werden, bei denen das Eigenge­webe entweder vom inneren Oberschenkel oder vom Gesäß entnommen wird. Gerne gehen wir in einem ausführlichen Gespräch näher auf diese alternativen Methoden ein.

Diese Haut-Fettgewebs-Muskel-Lappenplastik von der Innenseite des Oberschenkels wird ebenfalls unter dem Operationsmikroskop neu an die Durchblutung der Brustwand angeschlossen. Da der Gracilismuskel der kleinste von insgesamt vier Muskeln der Gruppe der Adduktoren ist, fällt sein Verlust an der Entnahmestelle funktionell kaum ins Gewicht. Die Stelle der Entnahme der Lappenplastik wird wie bei einer Oberschenkelstraffung verschlossen.

Hierbei erfolgt der Brustaufbau aus Eigengewebe vom Gesäß. Während die S-GAP-Lappenplastik (engl. superior gluteal artery perforator) von kleinen Blutgefäßen (sog. Perforatoren) ernährt wird, die von der oberen Gesäßarterie stammen, beruhen die I-GAP (engl. inferior gluteal artery perforator) und die FCI-Lappenplastik (engl. fascio-cu- taneous flap of the inferior glutealartery) auf der unteren Arterie des Gesäßes. Wir führen bevorzugt die I-GAP bzw. FCI-Lappenplastik durch.

Eine weitere Möglichkeit der Brustwiederherstellung bietet eine gestielte Muskellappenplastik vom Rücken (M. latissimus dorsi) mit oder ohne Implantation eines Silikonimplantates. Diese Variante der Brustrekonstruktion bietet sich bei Patientinnen an, die nur eine kleine Brust wünschen. Bei dieser Operation verbleibt das Gewebe an einem definier­ten Gefäß. Es entfällt somit der mikrochirurgische Gefäßanschluss unter dem OP-Mikroskop. Je nach Größe der zu rekonstruierenden Brust kann mit einem Implantat kombiniert werden. Bei diesem Verfahren wird bei großem Verlust an Weichgewebe das Implantat mit dem Muskelanteil überdeckt, um so ein möglichst natürliches Ergebnis zu erreichen. Als Nachteil gegenüber einer freien Lappenplastik wie der DIEP Lappenplastik steht hier der mögliche Einsatz von Implantaten und dem damit verbunden erhöhten Risiko einer Bildung einer Kapselfibrose. Befragungen zeigen, dass einige Patientinnen den Muskelverlauf unterhalb der Achsel als störend empfinden. Unter Umständen kann es bei einer nicht vollständigen Stilllegung des Nerves zu Mitbewegungen des Muskels in der Brust kommen. Eine vollständige Denervierung führt leider auch zur Atrophie (Verkleinerung) des Muskels, so dass oft Implantate notwendig werden. Auch wenn Patientinnen in ihrem Alltag den Verlust des Muskels kaum bemerken, ist der Hebedefekt bei diesem Verfahren deutlich größer als bei mikrochirurgischen Operationsmethoden bei denen der Muskel erhalten wird.

Diese Form der Brustrekonstruktion eignet sich besonders für Frauen, die im Rahmen ihrer Grunderkrankung der Brust keine Strahlentherapie benötigen. Wenn nicht mehr ausreichend Haut für ein Implantat vorhanden ist, kann auch eine Vordehnung des Gewebes mit einem Brustexpander erfolgen. In der Regel wird die ohnehin durch die Voroperation bestehende Narbe verwendet, um das Implantat einzubringen.

Zur Wiederherstellung der Brustwarze nach der eigentlichen Brustrekonstruktion gibt es vielfältige Möglichkeiten. Eine lokale Hautverschiebung für die Brustwarze selbst in Kombination mit Hautverpflanzung für den Brustwarzenhof ist die in unserer Abteilung am häufigsten angewandte Methode. Häufig erfolgt danach auch noch eine Tätowierung. Dies wird auch in unserem rekonstruktiven Brustzentrum durchgeführt.