Spezialisierung Lipödem

Beim Lipödem handelt es sich um eine Störung der Fettverteilung, die fast nur bei Frauen auftritt. Besonders auffällig sind die Fettvermehrungen an Beinen, Hüfte, Gesäß und gelegentlich auch an den Armen. Offiziell leiden rund 3,8 Millionen Menschen in Deutschland an dieser Krankheit. Experten schätzen die Dunkelziffer aber deutlich höher, da viele Betroffene ihre Diagnose gar nicht kennen und immer noch glauben, sie ernähren sich falsch oder bewegen sich zu wenig. Auch viele Ärzte erkennen die Krankheit nicht, der Leidensweg Betroffener ist deswegen oft noch länger. Neben den dauerhaften körperlichen Schmerzen ist die psychische Belastung enorm, da es durch die Krankheit zu extremen Verschiebungen der Proportionen kommen kann.

Die genauen Ursachen sind unbekannt. Vermutet werden neben einer Vererbbarkeit auch hormonelle Auslöser, da erste Symptome oft in der Pubertät oder nach einer Schwangerschaft auftauchen.
Beim Lipödem vermehren sich die Fettzellen unkontrolliert im Fettgewebe der Unterhaut und es kommt zu massiven Wassereinlagerungen. Die betroffenen Stellen sind berührungs- und druckempfindlich und es treten sehr leicht Blutergüsse auf.

Die Erkrankung verläuft in drei Stadien:

  • Im Stadium I ist die Unterhautschicht noch gleichmäßig verdickt.
  • Im Stadium II wird sie knotenförmig und führt zu Unebenheiten der Hautoberfläche.
  • Im Stadium III verhärtet sich das Gewebe zunehmend, es entstehen ausgeprägte Fettansammlungen, die die Proportionen des Körpers deutlich erkennbar verändern.

Sport und Diät helfen nicht und eine Ursachenbehandlung ist gleichfalls nicht möglich. Ab Stadium III ist eine Fettabsaugung (Liposuktion) das einzige Mittel der Wahl. Die Abteilung für Plastische Chirurgie und Handchirurgie unter Leitung von Chefarzt Prof. Dr. med. Markus Küntscher ist auf solche Operationen spezialisiert.

Durch eine schonende Absaugung wird das Fettgewebe dauerhaft reduziert. Dadurch kann im betroffenen Gewebe nicht mehr so viel Wasser gespeichert werden und der schmerzhafte Druck nimmt ab. Auch ästhetisch werden schöne Ergebnisse erzielt.

Die Fettabsaugung erfolgt in Vollnarkose. Nach dem Eingriff bleiben die Patienten in der Regel ein bis drei Nächte im Krankenhaus.

Nach der Operation können Blutergüsse und Schwellungen auftreten, die sich binnen ein bis zwei Wochen wieder zurückbilden. Kleinste, unauffällige Narben können durch die feinen Einstiche eventuell bestehen bleiben. Eine spezielle Kompressionskleidung muss für 4-6 Wochen nach der Operation getragen werden.

Kostenübernahme durch die Krankenkassen

Die Liposuktion bei der Diagnose Lipödem soll für Patientinnen im Stadium III vom 1. Januar 2020 zunächst befristet bis 2024 per Rechtsverordnung zur Kassenleistung werden. Die Prüfung der Liposuktion bei Lipödem für Frauen mit Stadium I und II soll dem Vorschlag zufolge nach Abschluss einer randomisierten, kontrollierten Studie (RCT) erfolgen. Voraussichtlich im zweiten Halbjahr 2020 könnten die ersten Patientinnen im Rahmen der Studie operiert werden.