14.11.2017 | Martin-Luther-Krankenhaus

Diabetisches Fußsyndrom gezielt behandeln, Amputationen vermeiden.

Welt-Diabetes-Tag 14. November 2017

Das diabetische Fußsyndrom ist eine schwerwiegende Folge der Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus). Nach Schätzungen leiden rund 15 Prozent aller Menschen mit Diabetes darunter. Dies führt bei den Betroffenen oftmals zu (Teil-)Amputationen von Gliedmaßen, was eine große Einschränkung der Mobilität und Lebensqualität zur Folge hat. Durch rechtzeitige und gezielte Behandlung lässt sich diesem Krankheitsverlauf jedoch vorbeugen.

Bei den Ursachen des diabetischen Fußsyndroms ansetzen

Menschen mit Diabetes mellitus haben nach einer mehr oder weniger langen Diabetes-Dauer ein deutlich erhöhtes Risiko, an einer Polyneuropathie zu erkranken. Diese Erkrankung des peripheren Nervensystems gilt als eine der Hauptursachen für das diabetische Fußsyndrom. Zahlreiche biochemische Faktoren spielen dabei eine Rolle, wobei insbesondere eine direkte Schädigung der Nerven durch erhöhte Blutzuckerwerte entscheidend ist. „Zur Behandlung der Polyneuropathie ist vor allem eine gute Diabetes-Einstellung wichtig, darüber hinaus sollen Betroffene alle Nervengifte wie Nikotin und Alkohol meiden“, erklärt Dr. med. Annette Sundermann, Diabetologin und Ärztliche Koordinatorin des Diabetischen Fußzentrums am Martin-Luther-Krankenhaus.

Die  Behandlung der Polyneuropathie stellt eine Herausforderung dar: Es werden unter anderem Medikamente zur Schmerzausschaltung eingesetzt, es kommen aber auch andere Verfahren wie Capsaicin, Physiotherapie, Kälte-Wärme-Behandlungen, elektrische Nervenstimulation (TENS) oder die Hochtontherapie zur Anwendung. Neue Erkenntnisse deuten zudem darauf hin, dass durch die chirurgische Entlastung (Dekompression) von Nerven das Gefühl im Bereich des Fußes wieder verbessert werden kann. Dies kann sowohl die Wundheilung beschleunigen als auch chronische Schmerzen lindern. Das Martin-Luther-Krankenhaus, mit seinem etablierten und interdisziplinären Team aus Spezialisten, ist eine der wenigen Einrichtungen in Deutschland, die diese Behandlung heute schon routinemäßig einsetzen.

Seit mehr als zehn Jahren als Diabetisches Fußzentrum zertifiziert

Als eine der ersten Behandlungseinrichtungen in Berlin ist das Diabetische Fußzentrum am Martin-Luther-Krankenhaus bereits seit 2006 ohne Unterbrechung von der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) zertifiziert. Von Beginn an erfolgte die Versorgung des diabetischen Fußsyndroms im Martin-Luther-Krankenhaus fachübergreifend: Internisten und Diabetologen arbeiten eng mit Gefäßchirurgen, Orthopäden, plastischen Chirurgen, Radiologen, Orthopädie-schuhmachern, Podologen und Ernährungsberatern zusammen. Prof. Dr. med. Hubert Mönnikes, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin, zu der das Diabetische Fußzentrum gehört: „Wir haben gemeinsame Visiten, um jeden einzelnen Fall fachübergreifend zu besprechen. Für den Patienten hat dies den Vorteil, dass die Behandlung stets aus einer Hand erfolgt.“

Mikrochirurgie Gewebeverpflanzung: Wiederherstellung statt Amputation

Trotz aller Vorsorgemaßnahmen entwickeln Patienten mit Diabetes oft Wunden an den Füßen und Unterschenkeln. Aufgrund der eingeschränkten Wundheilung und Infektionsabwehr können hieraus mitunter große Defektwunden mit freiliegenden Knochen, Gelenken, Nerven oder Sehnen entstehen. „Leider werden in solchen Fällen auch heute noch oftmals ganze Gliedmaßen amputiert. Häufig kann in diesen Fällen durch die mikrochirurgische Verpflanzung von Gewebe vom Rücken oder Oberschenkel jedoch ein Verschluss der Wunde und damit der Erhalt des Beins erreicht werden“, sagt Privatdozent Dr. med. Ole Goertz, Chefarzt der Klinik für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie, Handchirurgie. Im Martin-Luther-Krankenhaus kommen diese mikrochirurgischen Operationsverfahren routinemäßig zum Einsatz. „Sie können heutzutage mit hoher Zuverlässigkeit einer Vielzahl von Patienten bis ins hohe Lebensalter und auch bei Vorliegen von Nebenerkrankungen angeboten werden. Gerade älteren Patienten können wir durch mikrochirurgische Gewebeverpflanzung oft schnell und effektiv helfen und so die oft lange Phase der Bettlägerigkeit mit all ihren Komplikationen deutlich verkürzen“, erklärt PD Dr. Ole Goertz.


Kontakte:
Klinik für Innere Medizin
Martin-Luther-Krankenhaus
Caspar-Theyß-Straße 27-31
14193 Berlin
Chefarzt Prof. Dr. med. Hubert Mönnikes
Sekretariat Jasmin Lachmuth
Tel.: 030 8955-3111
inneremedizin.martin-luther(at)pgdiakonie.de

Diabetisches Fußzentrum
Heiko Kritzel
Koordinator Diabetisches Fußzentrum
Tel.: 030 8955-4533
heiko.kritzel(at)pgdiakonie.de

Wundzentrum ICW
Chefarzt PD Dr. med. Ole Goertz
Sekretariat: Larissa Schepers
Tel.: 030 8955-2511
pc.martin-luther(at)pgdiakonie.de

Weitere Bilder:

Das Diabetische Fußzentrum wurde erst 2017 erfolgreich von der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) rezertifiziert. Von links nach rechts: Chefarzt Prof. Dr. med. Hubert  Mönnikes, Ärztliche Koordinatorin des Diabetischen Fußzentrums Dr. med. Annette Sundermann und Heiko Kritzel, Koordinator des Diabetischen Fußzentrums.

Über das Martin-Luther-Krankenhaus

Das Martin-Luther-Krankenhaus in Berlin-Wilmersdorf, ein Unternehmen der Paul Gerhardt Diakonie, ist ein Akut- und Unfallkrankenhaus sowie Akademisches Lehrkrankenhaus der Charité – Universitätsmedizin Berlin. Das 1931 gegründete Haus verfügt über 260 Betten. Jährlich werden in den acht Kliniken und zehn Zentren circa 14.500 Patienten stationär und 19.500 Patienten ambulant versorgt.

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Über die Paul Gerhardt Diakonie

Zur Paul Gerhardt Diakonie gehören acht Krankenhäuser, sieben Senioren- und Pflegeeinrichtungen sowie Einrichtungen für betreutes Wohnen, ein Hospiz und mehrere ambulante Rehabilitationszentren sowie medizinische Versorgungszentren in Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern. Darüber hinaus werden Einrichtungen anderer Träger im Management geführt.

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Kontakt

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Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

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14193 Berlin

Petra Voigt-Sollinger

Tel.: 030 8955-2016

Fax: 030 8955-2015

Pressesprecherin Paul Gerhardt Diakonie

Lilian Rimkus
Tel.: 030 3702-2504
lilian.rimkus(at)pgdiakonie.de

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