Die Geschichte des Seniorenstifts Georg Schleusner

29. September 1893

Der Grundstein für das Kaiser Friedrich-Siechenhaus wird gelegt: Schon zur Einweihung des Krankenhauses „Paul-Gerhardt-Stift“ in der damaligen Fleischerstraße wurde an die Gründung eines sogenannten Siechenhauses gedacht, denn mit Platz für zunächst nur 30 Patienten waren bald viele Betten im Krankenhaus durch Pflegefälle belegt. 1884 wurde für die Errichtung des Siechenhauses ein Grundstück angekauft, das sich jedoch als zu klein erwies und schließlich für den Erweiterungsbau des Krankenhauses genutzt wurde. 5 Jahre später, im Jahre 1889, konnte ein Teil des heutigen Grundstücks in der Wittenberger Bachstraße erworben werden und Pfarrer Georg Ludwig Schleusner sammelte fleißig Gelder aus der Inneren Mission und der Provinzialkollekte sowie private Spenden, um eine Siechenhausstiftung ins Leben zu rufen. Am 29. September 1893 konnte die Grundsteinlegung für ein Siechenhaus auf der Baustelle in der Bachstraße zwischen Wichern- und Zimmermannstraße erfolgen.

18. Oktober 1894

Am Geburtstag von Kaiser Friedrich wird das Haus feierlich eingeweiht: Obwohl die Baukosten nach der Grundsteinlegung noch nicht beisammen waren, gab sich Georg Schleusner zuversichtlich: „Auf 36.500 Mark ist der Rohbau veranschlagt, die sonst nötig werdenden Ausgaben zur Einfriedung des Grundstücks und Einrichtung des Hauses dürften die Gesamtkosten auf nahezu 50.000 Mark steigern. Zusammengekommen sind bis jetzt im Laufe von 7 Jahren erst etwas über 21.000 Mark, wovon gegenwärtig noch etwa 16.000 Mark für den Bau selbst verfügbar sind. Doch laufen fort und fort weitere Gaben ein, und ich hoffe bestimmt trotz des gegenteiligen Anscheins, den es jetzt noch hat, das Haus, das für 30-40 Sieche Raum bieten wird, seiner Zeit möglichst schuldenfrei und lebensfähig eröffnet zu sehen.“

Nachdem das Haus noch vor Eintritt des Winters 1893/94 im Rohbau vollendet war, wurde es vom Frühjahr 1894 ausgebaut und eingerichtet, um Anfang Oktober von zwei Schwestern des Berliner Paul-Gerhardt-Stifts sowie den ersten 3 Siechen bezogen und am 18. Oktober 1894, dem Geburtstag von Kaiser Friedrich, feierlich geweiht zu werden. Waren es zunächst Diakonissen aus dem Berliner Paul-Gerhardt-Stift, übernahmen später Diakonissen aus dem Wittenberger Katharinenstift sowie aus dem Mutterhaus der Frauenhilfe für´s Ausland die Pflege. Später kamen dann auch freie Schwestern dazu.

1900

44 Pflegebefohlene leben im Kaiser Friedrich-Siechenhaus: Im sechsten Jahr seines Bestehens leben zu Jahresbeginn insgesamt 25 Pflegebefohlene (14 Männer, 11 Frauen) im Kaiser Friedrich-Siechenhaus. Im Laufe des Jahres kamen weitere Insassen (9 Männer, 10 Frauen) dazu, so dass die Gesamtzahl auf 44 stieg.

1914

Mehr Insassen machen weitere Anbauten nötig: Der weitere Anstieg der Pflegebefohlenen macht im Jahr 1914 eine erste Erweiterung des Hauses in Form des Ausbaus der beiden „Enden“ des Altbaus notwendig.

1918

Stabilisierung der wirtschaftlichen Lage: Der Vorstand des Kaiser Friedrich-Siechenhauses konnte 1918 einen Vertrag mit der Landesversicherungsanstalt Sachsen-Anhalt über die Unterbringung von Pflegebedürftigen auf Versicherungsbasis abschließen. Von da an war die wirtschaftliche Lage des Alten- und Pflegeheimes stabilisiert.

1935 und 1936

Es wird weiter angebaut: Um zusätzliche Zimmer zu schaffen, wurde 1935 die Flucht zur Zimmermannstraße um einen Anbau erweitert. Das Heim vergrößert sich so auf 80 Betten. Zudem erhält das Gebäude eine Zentralheizung. Doch auch diese Zimmeranzahl reicht noch nicht aus: Schon ein Jahr später, 1936, wird erneut angebaut und die Bettenanzahl auf 100 erhöht.

1939

Übereignung des Stiftungsvermögens an die Stadt: Die Stiftung Kaiser Friedrich-Siechenhaus war bis dahin schuldenfrei und kam als mildtätige Einrichtung in den Genuss steuerlicher Vorteile. Das änderte sich jedoch 1939 mit der Verwirklichung einer Entscheidung des Reichsfinanzministeriums vom 15. Juli 1939, in dem die Steuerfreiheit gemeinnütziger Einrichtungen neu definiert wurde.

Eine Steuernachzahlungsforderung des Staates in Höhe von 10.000 Mark und deren Nichtbezahlbarkeit durch die Stiftung führten zur Übereignung des Stiftungsvermögens an die Stadt.

1942

Auflösung der Stiftung und Übergabe an die Stadt: Der Vorstand der Stiftung hatte am 14. Januar 1942 unter politischem Druck der NSDAP die Auflösung der Stiftung und die Übergabe an die Stadt beschlossen. Von dieser Zeit an sprach man nur noch von einem Städtischen Pflege- und Altenheim. Aber auch während dieser Zeit wurden Baumaßnahmen durchgeführt, z. B. ein Aufzug eingebaut und das Heim durch einen Anbau um 40 Betten erweitert. 1945 wohnten 120 Insassen im Kaiser Friedrich-Siechenhaus, nachdem das Dachgeschoss ausgebaut und ein Hofgebäude errichtet wurden.

Durch Beschuss wird das Gebäude in der Wichernstraße 25 in den letzten Kriegstagen völlig zerstört.

1948

„Zwischenlösungen“ nach dem Krieg: 1948 wurde auf dem Grundstück Wichernstraße als Notbehelf ein einstöckiges Holzhaus für 28 Betten gebaut. Diese Holzbaracke musste zunächst von Flüchtlingen belegt werden. Auch die Nutzung des Saales im ehemaligen Ausflugslokal Teucheler Weinberge wie auch die Nutzung der Herberge zur Heimat in der Zimmermannstraße konnte für den Pflegebetrieb nur eine Zwischenlösung sein.

1953/1954

1953 erfolgte der Erweiterungsbau an der Bachstraßen-Seite, der 1954 eingeweiht wurde, so dass insgesamt 196 Insassen betreut werden konnten.

1958/1959

Die Ruine in der Wichernstraße wird wieder aufgebaut. Das Notlager aus Holz wurde 1961 wieder aufgelöst.

1965/1966

1965 bewohnen 230 Männer und Frauen das Pflegeheim, das ein Jahr später eine neue Heizkesselanlage mit Anschluss für Heizdampf für Küche und Waschküche erhält.

1977

Im Jahr 1977 gehören zwei Außenstellen zum Pflegeheim: das ehemalige Kaiser-Wilhelm-Auguste-Hospital in der Berliner Straße 9 sowie Wohnungen an der Stadthalle 2/3. Die Gebäude beider Außenstellen befanden sich in städtischem Besitz.

1992

Auf Beschluss der Stadtverordnetenversammlung der Lutherstadt Wittenberg vom 4.11.1992 gibt die Stadt den Betrieb des Alten- und Pflegeheimes zum 31.12.1992 in der Bachstraße auf und überträgt diesen auf die Paul-Gerhardt-Stiftung.

Nach eingehenden Verhandlungen wurde das Vermögen des Alten- und Pflegeheimes einschließlich des aus dem Vermögen der Stiftung Kaiser Friedrich-Siechenhaus stammenden Grundbesitzes mit den aufstehenden Gebäuden und dem Inventar dem Stiftungsvermögen der Paul Gerhardt-Stiftung zugestiftet, mit der Maßgabe, es zur Altenhilfe und -pflege zu verwenden. Zum Heim in der Bachstraße gehörten noch zu Beginn der 90er auch die zwei Außenstellen in der Berliner Straße 9 und das Objekt „An der Stadthalle“. Letzteres wurde 1995 in Betreutes Wohnen umgewandelt.

1996

103 Jahre nach der ersten Grundsteinlegung für das Kaiser Friedrich-Siechenhaus wird ein weiterer Grundstein für einen Neubau in der Wichernstraße gesetzt. Es entsteht ein großzügiger Anbau für die Bewohner sowie Aufenthaltsräume und neue Räume für das Personal.

Im Zuge des Neubaus wird das Heizkesselhaus im Inneren des Hofes abgerissen und es entstehen Grünanlagen mit einem Teich, einer Vogelvoliere und viel Grün sowie Sitzgelegenheiten.

2008

Ab dem 4. Oktober 2008 befindet sich das heutige Seniorenstift Georg Schleusner unter einem neuen Dach: Mit dem länderübergreifenden Zusammenschluss zweier großer diakonischer Träger – dem Verein zur Errichtung Evangelischer Krankenhäuser e.V. Berlin (VzE) und der Paul-Gerhardt-Stiftung Lutherstadt Wittenberg – übernimmt die Paul Gerhardt Diakonie und Krankenhaus Pflege GmbH die operativen Geschäfte der Paul-Gerhardt-Stiftung. Der gemeinnützigen GmbH gehören neben dem Evangelischen Krankenhaus Paul Gerhardt Stift und den Pflegeeinrichtungen Seniorenstift Barbara in Zschornewitz und Seniorenstift Katharina in Oranienbaum auch eine Krankenpflegeschule, die Beratungsstelle für Abhängigkeitserkrankungen sowie der Ambulante Dienst an.

2014 - das Seniorenstift Georg Schleusner heute

  • liebevolles Zuhause für 172 Bewohner
  • Arbeitgeber für 130 Mitarbeiter
  • Ausbildungsbetrieb für 8 bis 12 Auszubildende pro Jahr
  • Häusliche Pflege für 180 Patienten des Ambulanten Dienstes

Kontakt

Seniorenstift Georg Schleusner

Wichernstraße 25

06886 Lutherstadt Wittenberg

Tel.: 03491 4725-0

Fax: 03491 4725-600

Anfahrt