Die Geschichte des Martin-Luther-Krankenhauses

In Berlin gab es in den Jahren 1921 bis 1928 eine zunehmende Diskussion über die Errichtung neuer Krankenhausstandorte. Ausgelöst zum einen durch die wachsende Bevölkerung in Berlin und zum anderen durch eine Verschiebung der Bevölkerungsstruktur in den Bezirken erschien die Errichtung eines Krankenhauses im Bezirk Wilmersdorf besonders notwendig. Das Entstehen immer neuer katholischer Krankenanstalten und Sanatorien - es gab schon 14 Einrichtungen mit ca. 1.700 Betten - und die Kontroversen über das Verbot der Krankenhausseelsorge in den städtischen Krankenhäusern des Bezirkes Neukölln führten 1928 zur Gründung des Vereins zur Errichtung evangelischer Krankenhäuser.

Bereits 1929 wurde ein Plan vorgelegt, auf dem Gelände in Schmargendorf an der Caspar-Theyß-Straße ein Krankenhaus zu errichten. Der aus Bad Saarow stammende Architekt Ernst Kopp entwarf einen Neubau, der in der Geschichte des Krankenhausbaus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts einen Meilenstein darstellt: Die bisherige Pavillonbauweise wurde durch das Blocksystem abgelöst, das Prinzip des „kurzen Weges“ wurde eingeführt.

Ein Jahr nach der Grundsteinlegung, am 1. April 1931, wurde das erste evangelische Krankenhaus - nach damaligen Vorstellungen mit 400 Betten ein Großkrankenhaus - in Betrieb genommen.

„Das Martin-Luther-Krankenhaus soll als Ausdruck unserer armen Zeit mit den einfachsten Mitteln jeden erreichbaren technischen Fortschritt in möglichst wirtschaftlicher Form aufweisen“, so der Architekt zu der Ausgestaltung des Hauses. Es wurden Stationen mit 30 Betten und Stationen mit 10 bis 12 Betten für „Privat“- und Schwerkranke eingerichtet. Alle Patientenzimmer wurden so angelegt, dass sie der Sonne zugewandt waren, die Funktions- und Behandlungsräume hingegen an der Nordseite.

Als Fachabteilungen wurden untergebracht: Innere Krankheiten (Männer), Innere Krankheiten (Frauen), Gynäkologische Station mit umfangreicher Entbindungsstation, Chirurgische Abteilung (Frauen) und Chirurgische Abteilung (Männer). Daneben wurde durch Konsiliarärzte die weitere Versorgung garantiert (Zahnarzt, Hals-Nasen-Ohren-Arzt, Augenarzt).

Die Betriebsführung für das Martin-Luther-Krankenhaus wurde dem Evangelischen Diakonieverein übertragen und schon bald wurden der Betrieb und die Atmosphäre des Hauses von dem Engagement der Diakonieschwestern, insbesondere der leitenden Schwester, Oberin Lina Lingner, nachhaltig geprägt.

Bis 1957 leitete die Oberin alleinverantwortlich die Geschicke des Krankenhauses, ihr zur Seite stand der ärztliche Leiter. Erst von da an wurde die Krankenhausleitung in der heute bekannten, dreigeteilten Form (Verwaltungs-, Ärztlicher-, Pflegeleiter) institutionalisiert. 62 Diakonieschwestern, 38 Schwesternschülerinnen und 9 Krankenpflegeschüler versorgten bei einer „normalen“ 60-Stunden-Woche im ersten Betriebsjahr 3.984 Patienten. Das entsprach einer Auslastung von rund 56%. Bereits 1933 stieg die Auslastung auf 84,1%.

Der von den Krankenkassen erstattete Pflegesatz in Berlin betrug von 1931 bis 1949 RM 7,-. Die Selbstkosten des Martin-Luther-Krankenhauses betrugen trotz sparsamster Führung 1931 RM 9,46 und 1948 RM 9,68 pro Pflegetag.

1981 wurde das 50jährige Bestehen des Krankenhauses groß gefeiert.

Das Martin-Luther-Krankenhaus von damals hat sich verändert - äußerlich und innerlich. Aber eines ist geblieben: Der kranke Mensch steht mit seinem körperlichen und seelischen Leiden im Mittelpunkt unseres Handelns und Mühens.

Kontakt

Martin-Luther-Krankenhaus

Caspar-Theyß-Straße 27-31

14193 Berlin

Tel.: 030 8955-0

Fax: 030 8955-2015

Anfahrt