Das Zentrum für Schilddrüsenchirurgie stellt sich vor
Das Zentrum für Schilddrüsenchirurgie stellt sich vor
Endokrine Chirurgie ist Chirurgie an den hormonbildenden Drüsen des Menschen, am häufigsten an Schilddrüse und Nebenschilddrüse. Aber auch Operationen an Nebenniere und Bauchspeicheldrüse zählen dazu.
Schilddrüsenerkrankungen sind weit verbreitet und können zahlreiche gesundheitliche Probleme verursachen. Allein in Deutschland werden jährlich etwa 115.000 Operationen an der Schilddrüse durchgeführt. Viele Menschen wissen nichts von ihrem Leiden, denn nicht immer äußert sich die Erkrankung mit einem scheinbar typischen Kropf. Eine sorgfältige Diagnostik ist notwendig, um Ursache und Ausmaß der Erkrankung festzustellen zu können. Dazu gehören neben der Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese) und der klinischen Untersuchung eine Blutuntersuchung, der Ultraschall und bei bestimmten Erkrankungen ein nuklearmedizinisches bildgebendes Verfahren (Szintigraphie). Auf dieser Grundlage wird eine Therapieempfehlung gegeben.
Im Zentrum für Schilddrüsenchirurgie des Martin-Luther-Krankenhauses werden Erkrankungen der Schilddrüse und Nebenschilddrüse operativ behandelt. Die Operateurin und Leiterin dieses Zentrums, Dr. med. Hannelore Heidemann, genießt nationale und internationale Anerkennung und weist auf diesem Gebiet mit mehr als 5000 Eingriffen sehr große Erfahrung auf.
Die Spezialsprechstunde
In der Spezialsprechstunde besteht die Möglichkeit der individuellen und ausführlichen Beratung über die Art des operativen Vorgehens oder alternativer Behandlungsmethoden entsprechend der vorliegenden Erkrankung. Auch die Vorstellung zur persönlichen Information (Zweitmeinung) ist möglich. Die Beratung wird auch in englischer und russischer Sprache angeboten.
Neben einer genauen Analyse der vorliegenden Befunde wird über die in der Schilddrüsenchirurgie bedeutsamen kleinen Strukturen gesprochen: Während der Stimmbandnerv (Nervus recurrens) die Beweglichkeit der Stimmbänder steuert und bei Beschädigung zu Heiserkeit und Atemnot führt, kommt es bei Verletzung oder Entfernung der höchstens reiskorngroßen Nebenschilddrüsen zu einer empfindlichen Störung des Kalziumhaushaltes mit Kribbelmissempfindungen und Muskelkrämpfen, was eine zusätzliche Einnahme von Kalzium-Präparaten erforderlich macht.
Beide Komplikationen müssen weitestgehend vermieden werden.
Die Operation
Die Operation erfolgt über einen kleinen Hautschnitt am Hals – individuell angepasst und unter Einsatz modernster Technik. Jeder operative Eingriff wird mit Lupenbrille sowie Verwendung eines Gerätes zur Überwachung der Funktion der Stimmbandnerven durchgeführt. Dieses Neuromonitoring ist neben einer subtilen Operationstechnik mit zarten Instrumenten eine Hilfe, eine Stimmbandlähmung zu verhindern. Sie liegt in unserem Krankenhaus unter 0,5 Prozent und damit unter dem nationalen und internationalen Durchschnitt. Der Einsatz eines Gerätes zur Gefäß- und Gewebeversiegelung macht eine nahezu „fadenlose Operation“ möglich.
Bei bestimmten Erkrankungen, wie bei Vorliegen kleiner Knoten oder von Adenomen der Nebenschilddrüse, führen wir die Operation minimal-invasiv videoassistiert (MIVA-Methode) über einen Hautschnitt von ca. 15 mm durch.
Bei allen Eingriffen an den Nebenschilddrüsen erfolgt die intraoperative Bestimmung des Parathormons. Das Parathormon wird von den Nebenschilddrüsen gebildet, aus dem Abfall der Konzentration im Blut nach Entfernung der erkrankten Nebenschilddrüsen kann eine Aussage zum Erfolg des Eingriffs bereits während der Operation gemacht werden. Bei ausgedehnten Operationen ist dies eine wichtige taktische Hilfestellung für den Operateur. Eine Eigenblutspende ist an unserem Zentrum bei Operationen an Schilddrüse und Nebenschilddrüsen nicht erforderlich.
Die enge Zusammenarbeit mit den am Krankenhaus ansässigen Pathologen gewährleistet den intraoperativen Schnellschnitt mit sofortiger Diagnose bzw. den Eilschnitt mit vorliegendem Ergebnis nach spätestens 36 Stunden.
Wir legen größten Wert auf die enge Zusammenarbeit mit den zuweisenden Haus- und Fachärzten, mit denen persönlich weiterführende Therapien, wie sie bei bösartigen Erkrankungen erforderlich sind, abgesprochen und auf Wunsch durch uns organisiert werden. Sehr gute Kontakte bestehen seit Jahren zu den Kollegen der Nuklearmedizinischen Kliniken in Berlin und im Umland, wo die Radiojodtherapie durchgeführt wird.
In die Nachbehandlung beziehen wir bei Bedarf Hals-Nasen-Ohren-Ärzte, plastische Chirurgen, Augenärzte und Genetiker mit ein. Dialyse-pflichtigen Patienten können von ihrem einweisenden Nephrologen während des stationären Aufenthaltes in dessen Praxis dialysiert werden. In der Mehrzahl der Fälle werden die Patienten zur zweiten Dialyse nach der Operation bereits entlassen. Eine Dialyse in unserem Krankenhaus ist ebenso möglich.
Der Behandlungsablauf
In der Spezialsprechstunde erfolgt eine individuelle und umfassende Untersuchung und Beratung und die Festlegung des Operationstermins. In Abhängigkeit von Begleiterkrankungen und dem Wunsch des Patienten kann die Aufnahme zur Operation entweder einen Tag vor dem Eingriff oder, nach Vorstellung beim Anästhesisten, erst am Operationstag selbst erfolgen. Für den weiteren stationären Aufenthalt, meistens 2 bis 4 Tage, bieten wir modern ausgestattete Zimmer an. Auf Wunsch stehen selbstverständlich auch Einzelzimmer zur Verfügung.
Nach der Entlassung erfolgt bei allen Patienten eine Kontrolluntersuchung in unserer Sprechstunde. Dabei händigen wir den feingeweblichen Befund (Histologie-Befund) sowie den Operationsbericht für den weiterbehandelnden Arzt einschließlich einer Empfehlung zur medikamentösen Behandlung aus.
Neben der Beantwortung von Fragen nach der Operation ist die Vorstellung in der Sprechstunde Basis für unsere strenge interne Qualitätskontrolle.
Dr. med. Hannelore Heidemann
Leiterin des Zentrums für Schilddrüsenchirurgie

