Geschichte der Spenden und ehrenamtlichen Unterstützung in der Paul Gerhardt Diakonie

Im Sommer 2009 entstand aus dem 1929 gegründeten Verein zur Errichtung evangelischer Krankenhäuser in Berlin und der seit 1883 bestehenden Paul Gerhardt Stiftung in Wittenberg die Paul Gerhardt Diakonie als Zusammenschluss evangelischer Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen. Beide Einrichtungen blicken auf eine lange Geschichte der Förderer ihrer Einrichtungen zurück.

In allen historischen und heutigen Einrichtungen der Paul Gerhart Diakonie gilt das von Pfarrer Siegert, Geschäftsführer des Vereins zur Errichtung evangelischer Krankenhäuser von 1929-1949, oft zitierte Wort:

Seid Täter des Wortes und nicht Hörer allein

(Jakobus 1,22)

Die Anfänge: Der 'Verein zur Errichtung evangelischer Krankenhäuser'

Im Gründungsjahr des Vereins zur Errichtung evangelischer Krankenhäuser 1929 wurde der Entschluss gefasst, sogleich mit dem Bau des ersten Krankenhauses zu beginnen. Zunächst wurde diskutiert, das bereits gegründete Paul Gerhardt Stift auszubauen, dieser Gedanke wurde jedoch verworfen und ein Grundstück im Gebiet der Kirchengemeinde Schöneberg gefunden. Der Preis betrug hierfür 550.000 RM. Dieser Kaufpreis und Gelder zum Bau eines Krankenhauses - des Martin-Luther-Krankenhauses - mussten bereitgestellt werden.

Im April 1929 belief sich das Vereinsvermögen, das alleinig Spenden entsprang, auf 24.028 Reichsmark. Bis zum Juni wuchs dieses Vermögen durch aktive Spenden- und Mitgliederwerbung auf 72.000 Reichsmark an.

Die Finanzierung des Baus des Martin-Luther-Krankenhauses erfolgte durch Kredite der Berufsgenossenschaft, die den Bedarf für 100 Betten in dem neuen Krankenhaus anmeldeten sowie der Reichsversicherungsanstalt. Besonders die Gemeinde Schöneberg und die Synode Kölln Land I sicherten diese Kredite durch Bürgschaften ab. Diese Mittel reichten jedoch bei weitem nicht aus, so dass die aktive Werbung für den Bau des Krankenhauses erfolgen musste.

So hielt der damalige Geschäftsführer des Vereins, Pfarrer Siegert, über 240 Vorträge. Bausteine mit einem Entwurf des Krankenhauses und einer Widmung wurden zum Preis von einer RM verkauft und Mitgliedschaften im Verein für 3 Reichsmark pro Jahr angeboten. Die Bevölkerung konnte außerdem den Bau durch den Erwerb von Anteilscheinen unterstützen, die im Falle eines Krankenhausaufenthaltes mit diesen verrechnet werden konnten. All diese Maßnahmen, die Werbung in Kirchengemeinden und durch Flugblätter sowie die Unterstützung der Presse ermöglichten den Bau des Martin-Luther-Krankenhauses und den späteren Ankauf des Krankenhauses Hubertus. Die Baustelle des Martin-Luther-Krankenhauses war für Mitglieder des Vereines offen, um sich ständig über den Fortgang der Baumaßnahmen informieren zu können.

Unterstützt wurde die Arbeit des Vereins durch wichtige Persönlichkeiten und einen Ehrenbeirat. Unter anderem rief der ehemalige Reichsbankpräsident Dr. Luther zu Spenden auf und half bei der Beschaffung billiger Kredite.

Nach dem Bau des Martin-Luther-Krankenhauses ging die Arbeit mit dem Kauf des Krankenhauses Hubertus und dem Kauf bzw. der Unterstützung des Baues bzw. des Umbaues von Kliniken besonders in Ostpreußen und ganz Deutschlands voran. Dafür wurde weitere Unterstützung der Bevölkerung gebraucht.

Im Jahr 1934 hatte der Verein 12.000 Mitglieder. In diesem Jahr wurde die Kirchenkollekte in Deutschland verboten. Somit blieb zur Unterstützung der Vereinsaktivitäten hauptsächlich die Mitgliederwerbung. Mit der Mitgliedschaft in dem Verein wurden bestimmte Vergünstigungen im Fall eines Krankenhausaufenthaltes verbunden.

Nach dem Zweiten Weltkrieg

Während des zweiten Weltkrieges beschränkten sich die Aktivitäten des Vereines den Ist-Zustand zu halten. Nach dem zweiten Weltkrieg und dem Verlust der Krankenhäuser in den Ostgebieten und Ostpreußen ging es erneut an den Aufbau evangelischer Krankenhäuser.

Gleich nach Kriegsende 1945 wurde das Waldkrankenhaus Spandau geschaffen. Hierzu kam es durch die Notwendigkeit, 200 Kinder, die verletzt aus Schlesien am Bahnhof Johannisthal ankamen, unterbringen zu müssen. Pfarrer Siegert hörte hiervon und suchte einen neuen Standort für eine Klinik zur Unterbringung der verletzten Kinder. Die ehemalige Arbeiterstadt Große Halle in Spandau bot sich hierfür an. Nach anfänglicher russischer Besetzung hatten die Engländer das Gelände übernommen. Durch geschickte Verhandlung und großes Entgegenkommen der englischen Behörden gelang es Pfarrer Siegert 1945, zwei der damaligen Arbeiterbaracken für die Kinder pachten zu können. Im Verlauf der Zeit kam dann das ganze Gelände des heutigen Waldkrankenhauses Spandau, anfänglich zur Pacht und später durch Ankauf vom Bund, dazu. Persönlich setzte sich die Frau des damaligen englischen Generales Lady Robertson aktiv für das Gedeihen des Krankenhauses ein. Neben ihrer Schirmherrschaft wurde das Krankenhaus durch Spenden von mehren Militärlazarettausstattungen aus Besitz der englischen Armee stark unterstützt.

In der jüngeren Geschichte sind die Evangelische Lungenklinik Buch und die Evangelische Elisabeth Klinik in die Trägerschaft des Vereins zur Errichtung evangelischer Krankenhäuser gekommen. Auch diese konnten aufgrund von großzügigen Spenden und staatlichen Mitteln Ende des neunzehnten bzw. Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts erbaut werden.

In der von Gossner 1873 errichteten Evangelischen Elisabeth Klinik erhielten besonders ärmere Menschen eine medizinische Behandlung, was Anfang des 19. Jahrhunderts noch die Ausnahme war. Christliche ehrenamtliche Helferinnen und Ärzte behandelten die Patienten kostenlos. 1840 erhielt das Krankenhaus seinen Namen nach der Gönnerin, der damaligen Königin Elisabeth, die einen erheblichen Teil zum Kaufpreis des Geländes beigetragen hatte.

Die Evangelische Lungenklinik Berlin blickt auf eine lange bewegte Geschichte zurück. Die ursprüngliche Klinik wurde im Jahr 1906 durch Mittel der Stadt Berlin erbaut und ist seit 1952 Fachkrankenhaus für Lungenheilkunde und Thoraxchirurgie. Besonders Anfang der 1990er Jahre bemühte sich Professor Dr. Udo Schmidt, durch Spendenmittel und Förderung des Bundes und des Landes sowie durch andere Drittmittel den Erhalt der Lungenklinik und der dazu gehörenden Forschungseinrichtung zu sichern. Dies gelang für die eigentliche Klinik, die vom diakonischen Werk als Träger übernommen wurde. Für den Erhalt der Forschungseinrichtung konnte jedoch keine Finanzierung gefunden werden.

Paul Gerhardt Stiftung

Auch die Paul Gerhardt Stiftung in Lutherstadt Wittenberg blickt auf eine lange Tradition des Spenden und Ehrenamtes zurück. Im Jahr 1876 sehen Stifter, die aus dem christlichen Bürgertum stammten, aus christlicher Motivation die Notwendigkeit, die pflegerische und medizinische Versorgung der Bevölkerung zu sichern. Stifter sind die 15 Kirchenkreise in den Landkreisen Bitterfeld, Delitzsch, Wittenberg, Torgau, Schweinitz und Liebenwerda. Sie wissen sich verbunden mit einer Fülle diakonischer Initiativen in Deutschland, die mit der historischen Rede J.H. Wichern am 22. September 1848 in der Schlosskirche zu Wittenberg große Ausstrahlung und gemeinsame organisatorische Kraft gefunden hatten. Über 6 Jahre hindurch wird mittels Vorträgen und Spenden für einen gemeinsamen Baufonds gesammelt. Am 17. August 1882 erfolgt die Grundsteinlegung zum ersten Bau des Krankenhauses.

Gegenwärtige Entwicklung

Mit der Einführung des staatlichen Gesundheitswesens sank die Abhängigkeit der Unterstützung von Krankenhäusern von Spenden, und der Staat und die Krankenkassen traten mehr in den Vordergrund der Krankenhausfinanzierung.

So nahm die Zahl der Mitglieder im Verein zur Errichtung evangelischer Krankenhäuser stetig ab. Vereinzelte Spenden von dankbaren Patienten und Förderern unterstützten jedoch weiter die Arbeit der Einrichtungen, worüber die Paul Gerhardt Diakonie und deren Einrichtungen sehr dankbar sind.

Dr. med. Karin Barnard

Förderprojekte, Spenden, Ehrenamt
Dr. med. Karin Barnard

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Paul Gerhardt Diakonie e.V., Berlin und Wittenberg

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