Palliativmedizinische Betreuung
Lebensqualität sichern
In unumkehrbar fortgeschrittenen Krankheitsstadien mit begrenzter Lebenserwartung können Beschwerden wie Schmerzen, Müdigkeit, Schwäche, Luftnot, Husten, Angst, Panikattacken, Schlafschwierigkeiten und andere Symptome so belastend sein, dass das Leben unerträglich scheint.
Die Aufrechterhaltung der Lebensqualität der Patienten ist dann das alleinige medizinische Behandlungsziel. Es erfordert die umfassende Betreuung der Patienten und ihrer Angehörigen durch ein Team aus Ärzten, Pflegepersonal, Sozialarbeitern, Psychologen, Physiotherapeuten und Seelsorgern.
In der Evangelischen Lungenklinik Berlin werden hauptsächlich Patienten mit fortgeschrittenem Lungen- oder Pleurakarzinom nach einem interdisziplinären Behandlungskonzept von einem Palliative Care Team betreut. Auch Patienten mit so genannten gutartigen Erkrankungen wie COPD, Lungenemphysem oder pulmonaler Hypertonie, die in einer Krankheitssituation münden, die sie symptomatisch arg bedrängt, werden begleitet.
Zum Palliativ Care Team gehören:
- der Ärztliche Dienst mit Erfahrung in Palliativmedizin,
- Krankenpflegepersonal mit Zusatzausbildung,
- Physiotherapie,
- Psychologie/Psychoonkologie,
- Sozialdienst,
- Naturheilkunde, TCM (traditionelle chinesische Medizin) inkl. Phytotherapie und Akupunktur,
- Ernährungsberatung,
- Seelsorge.
Ziel des gemeinsamen Handelns für den Patienten, ist eine höchst individualisierte Therapie, die sich an seinen Symptomen orientiert, damit
- die Tumortherapie überhaupt erst begonnen oder fortgesetzt werden kann,
- der Patient nach Hause (unter Inanspruchnahme von Homecare, einem ambulanten Pflegedienst, einem ambulanten Hospizdienst), in Einrichtungen betreuten Wohnens, in ein Pflegeheim, in ein Hospiz entlassen werden kann.
Entscheidend und wichtig ist die enge Abstimmung mit den Angehörigen. Täglich schätzen die Patienten und ihre Angehörigen anhand eines standardisierten palliativen Verlaufsbogens (Symptomcheckliste) ihr Befinden selbst ein. Zudem sichern im Palliativ Care Team abgestimmte Behandlungspläne und wöchentliche Teamsitzungen die Qualität. Die Patienten und ihre Angehörigen werden zielgerichtet unterstützt, so dass sie immer besser die Probleme, die sich im Zusammenhang mit der Krankheit und ihrer Behandlung ergeben können, bewältigen.
Würde zu haben, heißt eine Wahl zu haben: Dieser Satz leitet das Handeln in geteilter Verantwortung und bedeutet, dass die Patienten und ihre Angehörigen zum Mitdenken und mitverantwortlichen Handeln eingeladen werden. Vor- und Nachteile möglicher Behandlungsentscheidungen werden gemeinsam abgewogen, bis alle Beteiligten übereinstimmen. Dies schließt ein, dass eine begründete Entscheidung der Patienten gegen eine vorgeschlagene Behandlung vom Arzt letztlich mitgetragen wird. Im vertrauensvollen Gespräch wird geklärt, welche Behandlungsziele gemeinsam angestrebt werden. Maßgabe des Handelns und der Entscheidungsfindung ist die persönliche Wertepyramide der Patienten und ihrer Angehörigen.
Abgestimmt wird, was die Behandler, was die Patienten und ihre Angehörigen tun können:
- damit die erwünschten Wirkungen der Behandlung möglichst umfänglich eintreten, die unerwünschten Wirkungen möglich umfänglich ausbleiben,
- um unmittelbares Noterleben nicht aufkommen zu lassen,
- damit sie in der weiteren Behandlung möglichst sicher aufgehoben sind.
Jeder, der am Behandlungsprozess in der Evangelischen Lungenklinik Berlin beteiligt ist, trägt zum Gelingen der gemeinsamen Entscheidungsfindung bei indem alle dafür sorgen, dass die Einsichts- und Erklärungsfähigkeit des Patienten erhalten bleibt.
Am Beginn des Krankenhausaufenthalts werden die Patienten hinsichtlich der Selbstbestimmungsform Vorsorgevollmacht aufgeklärt. Sofern die Einsichts- und Erklärungsfähigkeit der Patienten derart eingeschränkt ist, dass sie ihr Selbstbestimmungsrecht nicht wahrnehmen können, übernimmt ein Vertreter via Vorsorgevollmacht rechtlich bindend diese Aufgabe.


