26.05.2014

Lungenkrebs-Report Deutschland: NRW-Städte und Stadtstaaten mit höchsten Erkrankungsraten

Nirgendwo erkranken in Deutschland mehr Menschen an Lungenkrebs als in den Großstädten Nordrhein-Westfalens. Zu diesem Ergebnis kommt ein deutschlandweiter Vergleich der Evangelischen Lungenklinik Berlin. Auch zwischen den Bundesländern und innerhalb Berlins zeigen sich große Unterschiede – ebenso bei den Geschlechtern. Demnach erkranken Männer mehr als doppelt so oft an Lungenkrebs wie Frauen.

Anlässlich des Weltnichtrauchertags am 31. Mai hat die Evangelische Lungenklinik Berlin im Frühjahr 2014 erstmalig das Auftreten von Lungenkrebs-Neuerkrankungen innerhalb Deutschlands untersucht. Ein Vergleich altersstandardisierter Erkrankungsraten (ESR), bereitgestellt durch die epidemiologischen Krebsregister, zeigt signifikante Unterschiede zwischen den deutschen Bundesländern und Großstädten sowie bei Männern und Frauen. So liegt die durchschnittliche Anzahl der Lungenkrebs-Neuerkrankungen unter 100.000 Personen bei Männern mit einer Rate von 59 mehr als doppelt so hoch wie bei Frauen (25). Prof. Dr. Christian Grohé, Chefarzt der Pneumologie an der Evangelischen Lungenklink Berlin: „Die Mann-Frau-Unterschiede bestätigen vorherige Studien. Überrascht haben uns hingegen die teils gravierenden Unterschieden zwischen den Regionen und Bezirken.“

Gelsenkirchen vor Dortmund – niedrigste Raten in Erlangen und Dresden

Der Vergleich der deutschen Großstädte wird von Metropolen aus dem Ruhrgebiet angeführt – so liegen Gelsenkirchen, Herne und Dortmund bei Männern und Frauen innerhalb der Top 5. Insgesamt werden 16 (bei den Männern) bzw. 15 (bei den Frauen) der ersten zwanzig Ränge von Städten aus Nordrhein-Westfalen belegt. Die NRW-Dominanz wird einzig von Trier unterbrochen, das im Ranking der Männer einen Top-10-Rang und bei den Frauen sogar die bundesweite Höchstrate aufweist. Die niedrigsten Werte erreichen hingegen Erlangen (Männer) und Dresden (Frauen). Hier liegen die durchschnittlichen Erkrankungszahlen um das 2,5- bzw. 3,6-fache unter den Top-Raten aus Gelsenkirchen. Auch Ingolstadt und Jena befinden sich am Ende des Rankings. Als einzige Millionenstadt liegt München im unteren Mittelfeld (Rang Männer: 55; Frauen: 46), während Köln (24/17), Berlin (30/24) und Hamburg (33/25) jeweils Raten über dem Bundesdurchschnitt aufweisen. Der Durchschnitt aller Erkrankungsraten der Großstädte liegt mit 69 und 33 deutlich über den gesamtdeutschen ESR-Werten (59; 25). „Die Ursachen könnten im Raucherverhalten und der Luftverschmutzungen liegen, beides tritt in Städten und Industrieregionen verstärkt auf. Und gerade die Kombination von Tabakkonsum und Feinstaubbelastung erhöht das Lungenkrebsrisiko noch einmal um ein Vielfaches“, erklärt Grohé.

Stadtstaaten, Saarland und NRW führen Ländervergleich an – Bayern und Sachsen mit geringsten Raten – Frauen im Osten gesünder

Die höheren Erkrankungsraten in städtischen Gebieten zeigen sich auch im Vergleich der Bundesländer: Hier liegen eher industriell geprägte Länder wie das Saarland, Nordrhein-Westfalen und die drei Stadtstaaten am oberen Ende der Rankings – bei den Frauen bilden Berlin, Hamburg und Bremen die Top 3. Aber auch Schleswig-Holstein liegt jeweils über dem Bundesdurchschnitt. Dr. Gunda Leschber, Chefärztin der Thoraxchirurgie an der Evangelischen Lungenklink Berlin: „Das Ranking der Frauen könnte aus den höheren Raucherzahlen in den Städten resultieren. Um die Rangfolge einzelner Flächenländer erklären zu können, sind weitere Untersuchungen sinnvoll. Die Ursachen könnten in Umweltbelastungen, Latenzzeiten, sozialen Unterschieden und der Datenqualität liegen“. Die geringsten Erkrankungsraten finden sich unter anderem in Bayern. Hier erkranken gemäß ESR von 100.000 Personen durchschnittlich etwa 47 Männer und 21 Frauen an Lungenkrebs – rund 40 Prozent weniger als in den rangführenden Ländern Saarland (ESR: 78) und Berlin (37). Auch Sachsen, Rheinland-Pfalz und Hessen liegen unter dem deutschen Durchschnitt. Hohe Geschlechterunterschiede gibt es hingegen in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt. Hier liegen die männlichen Erkrankungsraten deutlich über der gesamtdeutschen Rate, die Raten der Frauen hingegen deutlich darunter. So zeigt sich auch im Ost-West-Vergleich, dass in den neuen Bundesländern deutlich weniger Frauen erkranken als im Westen (ESR Ost: 22; Durchschnitt West: 30). Im Vergleich unberücksichtigt blieb Baden-Württemberg, das aufgrund zu geringer Erfassungsgrade keine Lungenkrebsdaten veröffentlicht.

Große Unterschiede auch innerhalb Berlins – Höchste Rate in Mitte

Große Differenzen bestehen zwischen den zwölf Berliner Bezirken. So erreicht der Bezirk Mitte mit durchschnittlichen Erkrankungsraten von 91 und 47 die Spitzenwerte der Hauptstadt – und liegt damit rund 40 Prozent über den Daten aus Treptow-Köpenick (Rang 12 und 11). Ebenfalls innerhalb der Top 4 liegen Neukölln, Friedrichshain-Kreuzberg und Spandau. Unter dem Berliner Durchschnitt liegen Lichtenberg und Steglitz-Zehlendorf. Erhebliche Geschlechterunterschiede ergeben sich für Pankow und Charlottenburg-Wilmersdorf. In Pankow liegt die männliche Erkrankungsrate deutlich über dem Durchschnitt, die Rate der Frauen hingegen darunter. Umgekehrt ist es in Charlottenburg-Wilmersdorf.

Ausführliche Hintergrundinformationen zu den Ergebnissen und der Methodik des Lungenkrebsreports sind der Pressemappe zum Download zu entnehmen.

Weitere Bilder:

Infografik: Anzahl der Neuerkrankungen auf 100.000 Einwohner in Großstädten
Infografik: Anzahl der Neuerkrankungen auf 100.000 Einwohner in Bundesländern
Infografik: Anzahl der Neuerkrankungen auf 100.000 Einwohner in Berlin
Infografik: Anzahl der Neuerkrankungen auf 100.000 Einwohner in Berlin

Über die Evangelische Lungenklinik Berlin

Die Evangelische Lungenklinik Berlin, ein Unternehmen der Paul Gerhardt Diakonie, ist seit ihrer Gründung im Jahr 1952 eine weithin anerkannte Spezialklinik für akute und chronische Erkrankungen der Lunge sowie des Brustkorbs.

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Über die Paul Gerhardt Diakonie

Zur Paul Gerhardt Diakonie gehören acht Krankenhäuser, sieben Senioren- und Pflegeeinrichtungen sowie Einrichtungen für betreutes Wohnen, ein Hospiz und mehrere Ambulante Rehabilitationszentren sowie Medizinische Versorgungszentren in Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern.

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