Insektengiftallergien
Etwa jeder Zweite ist in seinem Leben schon einmal von einer Biene oder Wespe gestochen worden. Mit einer geröteten Sch
wellung und Juckreiz an der Einstichstelle geht es meist glimpflich ab. Doch etwa drei bis fünf Prozent der deutschen Bevölkerung sind von einer Insektengiftallergie betroffen. Die Gestochenen reagieren dann allergisch mit Nesselsucht, Schwellungen größer als zehn Zentimeter und länger als 24 Stunden anhaltend bis hin zur Atemnot oder Schwindelgefühlen, Herzrasen, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Schluckbeschwerden und Sprachveränderungen. Mitunter bekommen sie sogar einen lebensgefährlichen allergischen Schock (Anaphylaxie) mit Blutdruckabfall, Ohnmacht und Herz-Kreislauf-Versagen. Eine Hyposensibilisierung ist die einzige Möglichkeit, eine Insektengiftallergie ursächlich zu behandeln.
Diagnose
Falls es zu einem Insektenstich kommt und Beschwerden auftreten, die über eine lokale geringe Schwellung und Rötung hinausgehen, sollte auf jeden Fall ein Arzt aufgesucht werden. Der Allergologe erkennt eine Insektengiftallergie und wählt die notwendige Behandlung aus. Mit einem Blut- und Hauttest wird festgestellt, ob und gegen welches Insektengift der Körper reagiert. In der Evangelischen Lungenklinik Berlin werden seit 1985 Patienten mit Insektengiftallergie spezifisch behandelt. Seit 1995 gibt es eine spezielle ambulante Allergiesprechstunde. Eine Überweisung von einem Fach- oder Hausarzt ist Voraussetzung für die dortige Diagnostik.
Therapie
Patienten mit einer schweren Insektengiftallergie werden ambulant und stationär hyposensibilisiert. Je nach Schweregrad dauert die Therapie zwischen drei und fünf Jahren und kann mit einem stationären Aufenthalt in der Evangelischen Lungenklinik von ca. fünf Tagen beginnen. Die Behandlung erfolgt nach den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie sowie des Ärzteverbandes Deutscher Allergologen.
Stichwort Notfall-Besteck
Das Notfallset kann Ihr Leben retten, falls kein Arzt in der Nähe ist oder dessen Anfahrt zu lang dauert. Allergie-Patienten sollten immer ein Notfall-Besteck bei sich tragen. Gerade bei einer schweren Insektengiftallergie kann ein anaphylaktischer Schock innerhalb weniger Minuten eintreten. Medikamente für den Notfall bestimmt der behandelnde Arzt. Sie sollten immer griffbereit sein, besonders bei Ausflügen. Lassen Sie sich in die Handhabung des Notfall-Bestecks ausführlich einweisen und erlernen Sie bei Bedarf die Selbstinjektion. Informieren Sie auch Freunde, Verwandte und Kollegen über das Vorhandensein und den Gebrauch des Sets.
Praktische Tipps für die Biene- und Wespenzeit
- Ruhe bewahren in Anwesenheit von Bienen und Wespen
- Keine hastigen Bewegungen
- Distanz zu Blüten, überreifen Früchten und Fallobst
- Körper so weit wie möglich bedecken
- Keine weite Kleidung, in der sich Insekten verfangen können
- Vorsicht beim Barfuss laufen – Bienen sitzen auf Blüten und Wespen nisten häufig im Boden
- Möglichst auf Essen im Freien verzichten, wenn doch – Speisen abdecken
- Vorsicht an Abfallkörben und Müllcontainern
- Zu Hause Insektengitter vor den Fenstern anbringen
