Jubiläum am 16.9.2011

Image-Teaser zum Krankenhausjubiläum am 16. September 2011

Bestellung

Die Chronik zum 80. Jubiläum von EKH und MLK können Sie hier bestellen.

Zum Bestellformular Rechtspfeil



80 Jahre Martin-Luther-Krankenhaus


Das Martin-Luther-Krankenhaus in Berlin-Schmargendorf ist so etwas wie das Flaggschiff des Vereins zur Errichtung Evangelischer Krankenhäuser, der jetzt Paul Gerhardt Diakonie heißt. Denn dieses Haus hat der Verein vor 80 Jahren tatsächlich „errichtet", in Gestalt eines modernen und modellhaften Neubaus.

Der Historiker Dr. Clemens Tangerding stellt in einer anlässlich des 80-jährigen Bestehens erschienen Geschichtsstudie das Martin-Luther-Krankenhaus in einzelnen Episoden von seinen Anfängen im Jahr 1931 bis in die Gegenwart vor. Die ganze Geschichte lesen Sie in seiner Broschüre – die Episode über den zukunftsweisenden Bau des Martin-Luther-Krankenhauses hier als Auszug:

Die Polizei musste anrücken, um die Besucherströme zu lenken. 2.000 Schaulustige strömten an einem Sonntag im März 1931 aus ganz Berlin und Umgebung herbei, um sich den neuen Bau anzusehen. Am Eingang nahmen Diakonieschwestern die Gäste in Empfang und führten sie in Kleingruppen durch das Gebäude. Die Menschen in Berlin hatten die Entwicklung des Bauprojekts zwei Jahre lang in den Tageszeitungen mitverfolgen können. Der Träger des neuen Hauses, der Verein zur Errichtung evangelischer Krankenhäuser e.V. (VzE), hatte Spendenaufrufe veröffentlicht, Vorträge gehalten und die Pastoren gebeten, in ihren sonntäglichen Ansprachen Werbung für den Neubau zu machen.
Das Krankenhaus erweckte die Aufmerksamkeit so vieler Menschen nicht nur, weil sie schon länger von seiner geplanten Errichtung gehört und gelesen hatten, sondern auch wegen seiner bemerkenswerten Bauweise. Der Neubau in Schmargendorf besaß nichts von der Anmut der Berliner Sanatorien und Kurhäuser, die um die Jahrhundertwende im Grunewald und am Schlachtensee entstanden waren, und nichts von der Eleganz des Villenviertels, in das er hineingesetzt worden war und aus dem er nun wie ein Fremdkörper herausragte. Sein bulliger Körper ähnelte eher einer Industrieanlage als einer Klinik. Den großen Garten auf dem Grundstück verdeckte nun ein wuchtiger Riegel mit drei vorgelagerten Türmen.

Erst bei dem geführten Rundgang durch die Stationen erschloss sich den Besuchern die Bauweise. Nicht nur, dass man aus jedem Krankenzimmer in den Garten blickte. Der entscheidende Unterschied zu herkömmlichen Klinikbauten war: Die Kranken mussten für ihre Behandlung das Stockwerk, in dem sie untergebracht waren, nicht verlassen. Ein Patient in der Chirurgie wurde für die Operation nur vom Patiententrakt im Süden zum Operationssaal im Norden gefahren. Die Schwestern in der Abteilung für Geburtshilfe und Gynäkologie rollten Frauen, bei denen sich die Geburt ankündigte, einfach bis zum Ende der Station und schon öffnete sich der Kreißsaal. Überrascht waren die Gäste zudem von den Vorteilen der Kubusform: Sie konnten durch die ganze Station laufen und kamen irgendwann wieder am Ausgangspunkt an. Für die Ärzte und Schwestern brachte dies den Vorteil, dass sie höchstens die halbe Länge der Station an Weg zurückzulegen hatten, um in die Patientenzimmer zu gelangen. Der Architekt des Hauses, Ernst Kopp, begründete diese Bauweise mit einem einfachen mathematischen Prinzip: „Biegt man einen Weg von hundert Meter Länge zum Ring, so fallen Anfang und Ende des Weges zusammen, die weiteste Entfernung auf diesem Ringweg beträgt nur noch 50 Meter.“

Quellennachweis: Paul Gerhardt Diakonie (Hrsg., 2011): Geschichte des Martin-Luther-Krankenhauses Berlin. Die Texte basieren auf den Jahresberichten des Vereins zur Errichtung evangelischer Krankenhäuser e.V., seinen Schriften, Chroniken und Archivmaterial der Paul-Gerhardt-Diakonie und des Martin-Luther-Krankenhauses. Texte teilweise gekürzt und verändert.

<b>[Vorderseite eines sog. "Bausteins", 1931] Helft evangelische Krankenhäuser bauen!</b>
  • <b>[Vorderseite eines sog. "Bausteins", 1931] Helft evangelische Krankenhäuser bauen!</b>
<b>[Patienten auf der Dachterrasse, o.D.] Richtungweisend für Krankenhäuser der Moderne</b>
  • <b>[Patienten auf der Dachterrasse, o.D.] Richtungweisend für Krankenhäuser der Moderne</b>
<b>[Minenbombe im Garten, 1944] Zwangsarbeit gegen Personalmangel</b>
  • <b>[Minenbombe im Garten, 1944] Zwangsarbeit gegen Personalmangel</b>
<b>[Entstehung des Neubaus, um 1987]</b>
  • <b>[Entstehung des Neubaus, um 1987]</b>
<b>[Frontansicht des Krankenhauses, 2006] Bettenreduzierung nach der "Wende"</b>
  • <b>[Frontansicht des Krankenhauses, 2006] Bettenreduzierung nach der "Wende"</b>
<b>[Richtfest des neuen Strahlentherapiezentrums, 2011] Das Martin-Luther-Krankenhaus heute</b>
  • <b>[Richtfest des neuen Strahlentherapiezentrums, 2011] Das Martin-Luther-Krankenhaus heute</b>